Todesfall in Thailand

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Bruno
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Re: Todesfall in Thailand

#21

Beitrag von Bruno »

danke für den interessanten bericht tom. ich staune immer wieder über diese rituale. gleichzeitig berühren sie mich aber auch sehr. ich konnte bei der einäscherung vom vater meiner frau leider nicht dabei sein. ein jahr später feierten wir aber seinen abschied wie es das dorf noch selten gesehen hat :) habe noch heute kopfweh wenn ich daran denke :)
das bilden eines körpers mit der asche ist laut meiner frau im ganzen isaan verbreitet. es wurde früher scheinbar noch mehr praktiziert als heute. den körper bilden und mit kleider bedecken symbolisiere den start in das neue leben.
die asche nach überresten zu durchsuchen ist absolut normal. einen zahn der schwiegermutter haben wir in ein amulet einarbeiten lassen. ein knochenstück des vaters liegt auf unserem kleinen altar. für durchschnittseuropäer völlig unverständlich und gruselig.
“I've been accused of vulgarity. I say that's bullshit.”
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Bruno
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Re: Todesfall in Thailand

#22

Beitrag von Bruno »

Daraus lese ich, das es nur vermögenden Menschen vorbehalten ist nach buddh, Ritual unter die Erde gebracht zu werden.
Wäre eigentlich nicht verständlich, denn, abgesehen von der hygienischen Auswirkung, kostet eine Verbrennung sicher nicht mehr als eine
Erdbestattung. Oder ist "Verbrennung" doch eine regionale Erscheinung ?
Gruß Marburger
nach meinem wissen hat das verbrennen nichts mit wohlstand zu tun. vielmehr wurden früher leute erdbestattet welche nicht eines natürlichen todes gestorben sind. man glaubte, dass dies sonst unglück über die familie bringt und sich solche todesfälle (mord, drogen, unfall etc.) wiederholen würden. mit der "modernisierung" scheint dies aber ein wenig ausser mode gekommen zu sein und ist nur noch selten der fall.
in unserem dorf (und scheinbar überall) werden leute ohne angehörige erdbestattet. sei dies ein unbekannter lastwagenfahrer der bei einem unfall stirbt, eine ominöse leiche im wald, wanderarbeiter etc.
die knochen dieser unbekannten werden nach ca. 1-2 jahren ausgegraben und gereinigt. danach werden die knochen im tempel verbrannt.
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Andia
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Re: Andere Länder - andere Sitten

#23

Beitrag von Andia »

Ich bin mir nicht sicher ob ein neues Thema draus wird oder ob es hier weiter geht?
Diesmal ein trauriger Anlass denn letzten Sonntag ist aus der Verwandtschaft meiner Frau ein inzwischen 21 jähriger Junge verstorben den ich selbst schon kannte als er noch klein war.
Okay viele sagen er war zu nichts zu gebrauchen, ein Taugenichts doch mir war er sympatisch und was hat man für Perspektiven wenn man aus ärmsten Verhältnissen kommt und niemand einem eine Chance gibt?
Ob es seine Zuckerkrankheit oder eine Überdosis war darüber wird geschwiegen jedenfalls war er am Tag noch fit und schlief abends friedlich ein.
Nach dem Tod kam ein Arzt und 2 Helfer aus dem 30 km entfernten Udon Thani und er wurde von dem Ort wo er wohnte und verstarb zum Haus seiner Meldeadresse gebracht (ca. 6 km entfernt) wo am nächsten Morgen die Beerdigungszeremonie mit 5 Mönchen statt fand.
Die Verbrennung wiederum fand im Tempel nahe dem Ort wo er verstarb statt, der Ort der Verbrennung hat scheinbar keine große Bedeutung.
Worüber meine Frau jetzt sehr traurig ist, es hätte ihm nach dem Tod neue Kleidung angezogen werden müssen und es wurde auch versäumt ihm ein Bändchen für die letzte Reise am Handgelenk zu binden. Des weiteren haben die Trauergäste beim Gebet der Mönche nicht die Hände zusammen gefaltet (wie beim Wai) sondern nur da gestanden was nicht sehr höflich sein soll. Meine Frau hat dies mit ihren 2 Arbeitskolleginnen besprochen, Eine von ihnen kennt sich da aus und sagte das es sehr befremdlich ist. Auch dauerte die Beerdigung nur 2 Tage, 3 Tage sollten es mindestens sein.
Wenn meine Frau und ich zurück nach Thailand kommen werden wir Tambun im Tempel für ihn machen und ja auch ich werde etwas spenden.
Selbst als wir das 1 Monate alte Baby der großen Tochter meiner Frau beerdigen mussten ging die Trauerfeier 3 Tage.
Bei Babys wird der Leichnam nicht verbrannt sondern der Körper zusammen mit Kleidung und Spielzeug in der Erde begraben.
Das ist jetzt 5 Jahre her und ich bekomme heut noch Gänsehaut. Meine Frau und ich haben uns seinerzeit am Grab zusammen umarmt und sowas von los geheult, da hat so manch Thai verwundert geschaut das auch ein Falang Gefühle zeigen kann.
Hier in unserem Dorf gibt es eine Art Fond wo nach jedem Trauerfall im Dorf jeder Dorfbewohner mind. 50THB einzahlt um die Beerdigungskosten für den nächsten Trauerfall abzufangen (die Summe im oben geschilderten Fall soll 73.000 THB gewesen sein). Inzwischen ist die Summe bereits bei 200 THB was sich nicht mehr jede Familie hier leisten kann.
Ui da muss ich noch mal nachfragen pro Haushalt oder pro Einwohner, meine Frau schläft schon.
Ist diese Praxis bei Euch auch so?
Auf Bilder verzichte ich, ich glaube das bringt Unglück (meine Meinung).
Ich liebe Thailand. :-
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tom
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Re: Andere Länder - andere Sitten

#24

Beitrag von tom »

Ich habe vor längerer Zeit mal darüber berichtet, wie ich dies erlebt habe:

https://isaan-thai.ch/viewtopic.php?f=13&t=24

Bilder sind inzwischen dank Photobuckets Neuausrichtung weg...

Gruss Tom
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drfred
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Re: Andere Länder - andere Sitten

#25

Beitrag von drfred »

vor ein paar wochen erlag ein cousin (um die 20 jahre alt) meiner frau den verletzungen welche er sich bei einem zusammenstoss mit seinem motorrad mit einem abbiegenden auto zugezogen hat, noch auf der unfallstelle in der nähe seines arbeitsortes in rayong. seine sterblichen überreste wurden zwar in sein heimatdorf überführt aber nicht umgehend kremiert. er wurde auch nicht zuhause aufgebahrt sondern wird nun noch einige zeit in einem sarg zwischengelagert und mit der richtigen beerdigung wird noch zugewartet. meinen informationen zu folge ist das so, weil er nicht friedlich entschlafen ist. das vorgehen bestimmen "die älteren". es wurde dann im engeren familienkreis geld für die sehr beliebte tante gesammelt. von den dreissigtausend baht soforthilfe stemmte der thaiflügel einen drittel, die restlichen zwei entstammen unserem notfall-fonds.
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Michaleo
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Re: Andere Länder - andere Sitten

#26

Beitrag von Michaleo »

tom hat geschrieben:
Do 21. Nov 2019, 07:58
Ich habe vor längerer Zeit mal darüber berichtet (...)
Spricht was dagegen, dass wir diese Beiträge vereinigen?
Ich glaube nicht, oder?
Freundliche Grüsse :)
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ZH-thai-fun
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Re: Andere Länder - andere Sitten

#27

Beitrag von ZH-thai-fun »

Andia hat geschrieben:
Do 21. Nov 2019, 00:50
Auf Bilder verzichte ich, ich glaube das bringt Unglück (meine Meinung).
Ja, Tot und Heirat das sind so Geschehnisse die "andere Sitten und Gebräuche in anderem Land" sehr deutlich machen. So auch das bei Tot die Bilder für die Trauernden gemacht werden und bei Heirat für die Feiernden ...
Grenzen sind imaginär. Darum, fließt Wasser, Mammon und Blut.

KoSamed
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Re: Todesfall in Thailand

#28

Beitrag von KoSamed »

Also das mit der vorläufigen Beerdigung eines Unfalltoten habe ich vor Jahren mal mit dem Cousin meiner Frau erleben dürfen.Ich habe die Eltern gefragt, ob ich filmen dürfte- was bejaht wurde. Die Zeremonie nach 7 Jahren war dann mMn etwas sehr martialisch,nach dem Heben der Grabplatte flogen erst einmal die mitgegebenen Gadgets wie Zigaretten, Laoh Khaow und diverse Amulette(?)im hohen Bogen aus der Grabstelle. Danach murmelten die anwesenden Mönche einige Gebete und dann wurde der Schädel des Verblichenen ehrwürdig in die bereitstehende Kiste(also Stoff-Bambus-Sarg) gelegt.
Die anderen Knochen wurden dann für meine Begriffe etwas unpretentiös eingesammelt und ebenfalls in den "Sarg" verfrachtet. Bemerkenswert für mich, daß die dabei zusehenden Kinder noch auf Reste des Skeletts im bisherigen Sarg verwiesen und man diese pingeligst einsammelte.
Danach gings zum Krematorium und nach weiteren Gebeten durfte dann der ältere Bruder mit einem schlichten Feuerzeug den Sarg anzünden- die Tür wurde verschlossen und danach wurden sozusagen "Kamelle"(Geld) ins Volk geschmissen.
Während der gesamten Zeremonie standen die Eltern etwas abseits in ehrwürdiger Haltung und trauerten.
Natürlich wurde dann 3 Tage lang gefeiert- alles in allem für mich bis heute etwas gewöhnungsbedürftig !!!
@andia- ja auch bei uns gibt es so einen Fond im Dorf- meine Frau zahlt monatlich 500 Baht ein, ich glaube aber, daß die Höhe des Betrages auf einer gewissen Freiwilligkeit beruht.
Ich habe mal nachgefragt, ob meinereiner auch einzahlen könnte. Nach Rücksprache mit dem Pujay Baan wurde dem stattgegeben und so zahlen wir gemeinsam 12000 Baht pro Jahr ein. Finde ich eine gute Sache - und wenn letztendlich die Summe auch gedeckelt wird, was scherts mich- das letzte Hemd hat keine Taschen! [-( #:-s
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Endy
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Re: Todesfall in Thailand

#29

Beitrag von Endy »

Sali zusammen

Bei uns lief / läuft das wohl etwas "speziell".

Der letzte Wille meiner Frau war, dass sie in der Schweiz kremiert wird, ohne viel Tamtam. Sie merke es ja sowieso nicht mehr meinte sie.
Den buddhistischen glauben praktizierte sie nicht aktiv. So wie ich in etwa gesellschaftlich christlich geprägt aufgewachsen bin, meine Eltern aber nicht unbedingt viel Wert auf die katholische Kirche legten. Man macht hat Kommunion, Firmung etc. weil man es halt so macht bei uns.
Bevor sie starb habe ich aber entgegen ihres Willens noch buddhistische Mönche für eine Zeremonie im Spital organisiert. Wenn es nicht für sie war, dann wenigstens für die Familie in Thailand welche für meine Verhältnisse sehr gläubig ist. Im Nachhinein war sie aber dann doch froh um die Zeremonie.

Nach der Kremation, welche in der Schweiz ja unspektakulär und steril abläuft fand eine zweite Zeremonie im Rahmen der Abdankungsfeier mit überraschend vielen Betroffenen, ca. 60 Personen, in der Friedhofskapelle statt. Die Mönche haben für etwa 45 min. gesungen und gebetet. Dann war der Zauber vorbei. Ich fand das aber wichtig für ihre nächsten Angehörigen in Thailand, für sie und auch für mich. Gehört halt irgendwie dazu.

Ihre Asche wollte sie unüblicherweise zur Hälfte in der Schweiz bei unserer Tochter und mir lassen und die andere Hälfte habe ich letzte Woche nach Thailand zu Vater und Sohn gebracht. Sie wollte, dass die Asche jeweils zuhause, in einer Urne aufbewahrt wird.

Das die Asche von verstorbenen zuhause bleibt habe ich schon öfters gesehen bei Verwandtenbesuchen in Thailand. Da gibt es dann einen kleinen Schrein mit all den Urnen über die letzten ein, zwei Generationen.
Soweit ich das richtig verstanden habe wird die Asche dann je nach dem, wie der Bezug zur Verstorbenen Person ist zwei, drei Generationen später in einem Fluss oder Meer verstreut. So nach dem Motto, wenn niemand mehr einen Bezug zur Verstorbenen Person hat machen auch die Reliquien keinen Sinn mehr.

Nun ja, in unseren Breitengraden vielleicht etwas unüblich, eine Urne zuhause auf einem Altar zu präsentieren. Ich lass mir da aber was einfallen um das ganze ein bisschen dezenter zu Gestalten. Wird wohl eine schlichte Naturstein Urne, welche auch als kleines Kunstwerk durchgeht sein. Meine Frau war mit dem Vorschlag einverstanden. Ihr war es wichtig, dass wir die Urnen nicht irgendwo in einen Tempel bringen oder im Boden verscharren.

Hier in Thailand sind gerade die Vorbereitungsarbeiten für die morgige Zeremonie zu Hause im Gange. Ich berichte dann wie das von statten ging. Wird wohl auch nichts Spektakuläres sein da sie ja bereits kremiert wurde.

In diesem Sinne
Endy
“Es gibt keine raffiniertere Übertreibung als das Understatement.”
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ZH-thai-fun
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Re: Todesfall in Thailand

#30

Beitrag von ZH-thai-fun »

Plaziere dies mal hier. Gleiches hab ich mal 1996 selbst gesehen, als ein 17Jähriger Italiener in Phuket Patong von einem Jetsksy außerhalb der Absperrkugeln getötet wurde. ...

https://www.20min.ch/ausland/news/story ... t-18265771
Grenzen sind imaginär. Darum, fließt Wasser, Mammon und Blut.
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