Interessant in welchem Kontext ein Virologe die 70% sieht.
Christian Dorsten, Leiter Virologie Charité:
„Es werden sich wahrscheinlich 60 bis 70 Prozent infizieren“
Gibt es Schätzungen, wie viele Menschen sich in Deutschland anstecken könnten?
Drosten: Die Zahl der Infizierten bei solchen Erkrankungen liegt im Durchschnitt bei 60 bis 70 Prozent. Aber mit einer mit solchen Zahl kann man eigentlich gar nicht viel anfangen. Denn als Nächstes müssen wir darüber reden: Ist das schlimm oder nicht? Da könnte man jetzt sehr lange diskutieren.
Es ist leider nicht so, dass man ohne intensive Fachkenntnisse solche Zahlen verstehen kann, deshalb ist es problematisch, solche Zahlen in verkürzter Form zu diskutieren. Aber eine Sache kann ich noch dazu sagen: Es werden sich wahrscheinlich 60 bis 70 Prozent infizieren, aber wir wissen nicht, in welcher Zeit.
Das kann durchaus zwei Jahre dauern oder sogar noch länger. Und damit wird das dann etwas, was wir kaum noch bemerken werden. Problematisch wird es nur, wenn es in komprimierter, kurzer Zeit auftritt. Darum sind auch im Moment die Behörden dabei, alles zu tun, um beginnende Ausbrüche zu erkennen und zu verhindern oder zumindest zu verlangsamen.
60 bis 70 Prozent könnten sich anstecken. Laut bisheriger Statistik verläuft das Coronavirus bei rund einem Prozent der Erkrankten tödlich. Das klingt beängstigend.
Drosten: Das ist richtig – und genau deshalb ist es ein Problem, wenn man solche einfachen Berechnungen anstellt, ohne eine Fachkenntnis zu haben. Ich kann Ihnen nur sagen: Diese Berechnungen sind auf alle Fälle falsch, die darf man so nicht anstellen! Das wird so nicht sein.
„Wir haben eine sehr gute Chance die Verbreitung aufzuhalten“
Was wäre denn die richtige Einstellung zu der Krankheit?
Drosten: Die richtige Einstellung zum Coronavirus ist, sich Gedanken zu machen, was da eigentlich auf uns zukommt – und vor allem: in welcher Zeit. Die Zeitkomponente ist eine sehr wichtige Komponente. Im Moment ist es so, dass wir eine sehr gute Chance haben, die einstweilige Verbreitung des Virus deutlich aufzuhalten. Dann kommen wir in die wärmeren Monate, und es werden bestimmte Umgebungseffekte hinzukommen: die Sommerwärme, UV-Strahlung.
Und auch die Tatsache, dass Menschen im Sommer vermehrt draußen sind und sich weniger aneinander infizieren können. Das ist sicherlich ganz wichtig für die akute Wahrnehmung. Denn so kann man sich klarmachen, wie unsinnig es ist, sich jetzt Desinfektionsmittel zu kaufen oder irgendwelche Lebensmittel in Konservenbüchsen.
Das ist hier überhaupt nicht die Situation. Das ist ungefähr so schlau, wie wenn man sagen würde: Ich verlasse das Haus nicht mehr, denn es passieren Verkehrsunfälle. Und so ein Unfall könnte mir passieren, wenn ich rausgehe.
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