SARS-CoV-2/COVID-19

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martin71
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Re: SARS-CoV-2/COVID-19

#3361

Beitrag von martin71 »

Oder Florida und Texas.
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tom
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Re: SARS-CoV-2/COVID-19

#3362

Beitrag von tom »

phimax hat geschrieben:
So 20. Dez 2020, 16:53
Was ich sagen möchte: gäbe es in Thailand einen europäischen Winter,
sähen die Zahlen dort wahrscheinlich auch anders aus
So ist es. Dies habe ich erst kürzlich in einem wissenschaftlichen Bericht gelesen. Nicht nur das sich mehr draussen aufhalten spielt eine Rolle, das Virus mag auch Temperaturen über 25 Grad nicht wirklich. Es war ja auch ersichtlich dass es während den warmen Monaten in DACH trotz zurücknehmen der Anordnungen nicht zu grossen Anstiegen gekommen ist. Aber natürlich ist man in Südostasien auch krisenerpropter was Pandemien betrifft und vorbereiteter. Dies war man bei uns in DACH meines Erachtens im Frühjahr begründeterweise nicht, jetzt im Herbst/Winter jedoch unbegreiflicherweise immer noch nicht.

Soeben las ich: die Spitäler im Berner Oberland haben den Regierungsrat des Kantons Bern aufgefordert, die Skigebiete zu schliessen, da man keine Kapazitäten mehr in den Spitälern habe. Die Inselgruppe (u.a. grösstes Spital in der Stadt Bern) fordert heute das selbe. Aber der Regierungsrat des Kantons Bern ist der Meinung, dass eine Schliessung nicht notwendig sei. Da frage ich mich halt schon was es noch alles an Vorbereitung braucht...
Dauwing hat geschrieben: naja, nur Indonesien und Myanmar zeigen, das Wärme allein nicht reicht.
Über Myanmar kann ich nichts sagen, aber über Indonesien habe ich erst vor etwa 10 Tagen einen ausführlichen Bericht gelesen. Dort wurden die hohen Zahlen damit begründet, dass das Land einerseits 270 Millionen Einwohner zählt und viel dichtere Besiedlungen hat, und dass andererseits die Hilfe und die Unterstützung des Staates für sehr viele Menschen schlicht nicht genügte um überleben zu können. Es gäbe sehr viele Millionen von Menschen die einfach nichts haben. Von denen forderte man auf einiges zu verzichten um die Pandemie einzudämmen, aber die hatten gar nichts worauf sie verzichten konnten. Ob es wirklich so ist weiss ich nicht, ich war noch nie in Indonesien und kenne das Land nicht.

Gruss Tom
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phimax
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Re: SARS-CoV-2/COVID-19

#3363

Beitrag von phimax »

Da vielleicht der eine oder andere schon beim Lesen der Überschrift (über-)schäumt
und deshalb nicht bis zum Ende liest ;;)

Korrelation bedeutet nicht automatisch Kausalität,
ein solcher rechnerischer Zusammenhang heißt nicht zwangsläufig,
dass das eine seine Ursache im anderen hat.

Quelle: Link

Also denn mal los:
https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/ ... -zusammen/

P.S. vielleicht gibt's ja doch eine Kausalität :-?
Orwell war ein Optimist :-s
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phimax
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Re: SARS-CoV-2/COVID-19

#3364

Beitrag von phimax »

Dauwing hat geschrieben:
So 20. Dez 2020, 17:11
naja, nur Indonesien und Myanmar zeigen, das Wärme allein nicht reicht.
Schön mal wieder was von dir zu lesen - alles gut bei dir?
martin71 hat geschrieben:
So 20. Dez 2020, 17:18
Oder Florida und Texas.
Vom Klima (was ja nur ein Faktor ist) mal abgesehen:
Sind doch eher Äpfel (Thailand) und Birnen, oder?
Orwell war ein Optimist :-s
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ZH-thai-fun
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Re: SARS-CoV-2/COVID-19

#3365

Beitrag von ZH-thai-fun »

phimax hat geschrieben:
So 20. Dez 2020, 17:55
P.S. vielleicht gibt's ja doch eine Kausalität
Hab ich schon länger, auch in der Schweiz, im verdacht. Aber man getraut sich das ja nicht laut zu sagen, sonst gehen sie erst recht's noch un/verdrossener ohne Maske und mit Alu-Hut ...
ZH-thai-fun hat geschrieben:
Fr 20. Nov 2020, 19:09
Ich meine eher z. B. den von der Innerschweiz und Welschen Kantonen, wo der Laissez-faire gegenüber Massnahmen der Regierungen auch blühte.
In meinem Kopf ist "Potpurri" ... :-H
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tom
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Re: SARS-CoV-2/COVID-19

#3366

Beitrag von tom »

Etwas Einblick in das Seelenleben der Noch-Bundespräsidentin der Schweiz:
Interview mit der Bundespräsidentin

«Hausarrest, Ausgangssperren? Ich glaube nicht, dass die Leute das mitgetragen hätten»

Simonetta Sommaruga sagt im grossen Gespräch zum Jahreswechsel, was die Schweiz im Kampf gegen das Virus falsch machte. Warum es gut ist, Handynummern von ausländischen Ministern zu haben. Und woraus sie Hoffnung schöpft.


Frau Bundespräsidentin, aktuell sterben in der Schweiz jeden Tag rund 80 Menschen an Covid-19. Die Stimmung im Land ist aufgeheizt, das Vertrauen in die Regierung angeschlagen. Wie konnte es so weit kommen, dass wir uns jetzt, am Ende des Jahres, an einem solchen Tiefpunkt samt Teil-Lockdown befinden?

Ich würde nicht von einem Tiefpunkt sprechen. Wir reden hier von einer Pandemie, die lange dauert und die auf und ab geht. Als das Virus Anfang Jahr ausbrach, war das ein Schock für das ganze Land. Der Bundesrat übernahm den Lead und ordnete die ausserordentliche Lage an – und zwar schnell. Dann kam aber rasch die Forderung der Kantone auf, wieder Verantwortung zu übernehmen. Das war ja auch richtig so, die Zahlen haben sich entspannt. Gegen Herbst hat sich die Situation wieder verschlechtert.

Wie konnte die zweite Welle der Pandemie die Schweiz derart auf dem falschen Fuss erwischen?

Vielleicht haben wir unterschätzt, wie schwierig es für die Kantonsregierungen ist, die nötigen Entscheide zu fällen. Vor allem, wenn im Nachbarkanton etwas ganz anderes beschlossen wird. Eine solche Ausgangslage ist natürlich komplizierter, als wenn der Bund allein entscheidet. Darum erstaunt es auch nicht, dass in der Bevölkerung mehr und mehr Fragen auftauchten: Was ist denn nun? Was gilt denn nun?

Sie sprachen von einem «Gschtürm».

Darum habe ich die Kantone im Oktober an einen Corona-Gipfel nach Bern eingeladen. Die Kantone haben danach den Bundesrat gebeten, rasch wieder Massnahmen zu ergreifen. Das haben wir auch gemacht.

Mit Verlaub: Hierzulande sind pro 100’000 Einwohner rund 75 Personen gestorben, in Deutschland 30, in Österreich 55. Bisweilen war es schwierig, den Überblick über die sich ständig ändernden Regeln zu behalten. Viele Menschen sind vom Krisenmanagement des Bundes enttäuscht.

Die hohe Zahl von Toten belastet mich und macht mich auch traurig. Die Frage ist, ob der Bundesrat anders hätte vorgehen sollen. Hätten wir Hausarrest und Ausgangssperren einführen sollen? Ich glaube nicht, dass die Leute das mitgetragen hätten. Für mich war es immer wichtig, die Bevölkerung mitzunehmen.

Das funktionierte nicht immer.

Die Maske ist ein gutes Beispiel. Wir haben in der Schweiz etwas lange gewartet, bis die Maske im öffentlichen Verkehr obligatorisch wurde. Zu lange, sagen manche. Aber an jenem Tag, als wir die Maskenpflicht beschlossen haben, wurde sie ganz unkompliziert umgesetzt.

Gerade im Herbst fehlte es an einer Figur, welche die Menschen tatsächlich mitnahm. Viele fragten sich: Wo ist eigentlich die Schweizer Angela Merkel?

Bei Vergleichen mit anderen Staaten muss man aufpassen. Ich schätze Frau Merkel sehr, wir haben uns auch dieses Jahr immer wieder ausgetauscht. Aber ich glaube, die Schweiz musste ihren eigenen Weg gehen. Wir waren zeitweise sehr unterschiedlich betroffen, vor allem im Tessin und in der Westschweiz.

Was bedeutet das konkret?

Es wäre ganz schwierig geworden, nach dem Sommer einheitliche schweizweite Massnahmen zu ergreifen und durchzusetzen, solang manche Kantone stark, andere kaum betroffen waren. Deshalb verschärften wir kantonal – dort, wo es am dringendsten war. Das funktionierte auch eine Zeit lang.

Sie reden in der Vergangenheitsform.

Jetzt sind wir in einer ansteigenden zweiten oder sogar in einer dritten Welle. Die Leute sind müde. Sie haben genug. Die Festtage nahen. Manche denken nun: Ein Lockdown löst alle Probleme. Aber die Sache ist komplizierter. Denken Sie zum Beispiel daran, wie einsam manche Menschen plötzlich waren. Die Altersheime hat man einfach wochenlang geschlossen. Jugendliche, Schüler und Lehrlinge konnten sich nicht treffen, verpassten ihren Unterricht. Solche Aspekte gingen in unseren Pandemieplänen ziemlich vergessen.

Setzen Sie sich dafür ein, dass die Schulen bis zum Ende der Pandemie offen bleiben?

Ich kann Ihnen jetzt nicht versprechen, dass wir die Schulen immer offen halten werden. Das kann ich auch nicht allein entscheiden. Aber heute sind sich weite Kreise einig: Den Präsenzunterricht muss man beibehalten, vor allem auf Primarstufe. Wir tun darum alles dafür, dass Schülerinnen und Schüler weiter zur Schule gehen können.

Der Bundesrat schliesst nun die Restaurants. Die Taskforce forderte härtere Eingriffe, um die Zahlen zu drücken, auch Läden sollten zugehen. Warum gingen Sie nicht weiter?

Der Bundesrat hat sich auf die Erfahrungen aus der Westschweiz abgestützt. Dort haben die Kantone im November die Restaurants geschlossen. Das hat gewirkt, sie konnten so die Ansteckungen senken.

Die Empfehlung lautet nun: zu Hause bleiben. Theater, Museen, Sportanlagen schliessen. Nur Skigebiete nicht. Warum?

Beim Skifahren ist man draussen. Und da ist das Ansteckungsrisiko tiefer. Aber die Kantone dürfen die Skigebiete nur bewilligen, wenn sie in den Spitälern genug Kapazitäten haben. Eine ganze Reihe von Kantonen hat daher die Bewilligung nicht erteilt.

Was sagen Sie dem Gastronomen, der nun zusperren muss und fürchtet, dass ihm innert Wochen das Geld ausgeht?

Wir wissen, wie schwierig die Situation für viele Betriebe ist. Darum unterstützen wir sie mit verschiedenen Massnahmen. Und wir prüfen ein weiteres Hilfspaket.

Wie raten Sie Familien, Weihnachten zu feiern?

Der Kreis wird dieses Jahr wohl bei vielen kleiner sein als üblich. Auch bei mir. Ich bin sicher, dass die Bevölkerung besser weiss, wie man trotzdem einen schönen Abend gestaltet. Ich werde für meinen Mann etwas Gutes kochen, einen wunderbaren Tessiner Risotto, und er wird mir aus seinem neuen Manuskript vorlesen.

Der Bundesrat regierte dieses Jahr per Livestream. Zwei Millionen Menschen sollen die Lockdown-Pressekonferenz im März gesehen haben. Wie ist das, so zum Volk zu sprechen?

In der Schweiz ist die Regierung so nahe an der Bevölkerung wie in kaum einem anderen Land. Ich gehe mit dem Bus zur Arbeit, werde auch direkt angesprochen. Ich bin also immer im Kontakt mit unserer Bevölkerung. Aber jetzt, während einer Pandemie, fällen wir plötzlich Entscheide, die tief in den Alltag der Menschen eingreifen. Und dann auch noch sehr kurzfristig: Häufig gelten neue Regeln ab Mitternacht. Solche Entscheide – nach einem harten Ringen im Bundesrat – so rüberzubringen, dass die Bevölkerung sie versteht, ist eine riesige Verantwortung.

Mit der Zeit war allen klar: Die Bundespräsidentin ist für den Medientermin angekündigt, es naht der nächste Massnahmenschub.

Ich versuchte, als Präsidentin immer dann präsent zu sein, wenn es wichtige Entscheide gab. So wollten wir der Bevölkerung Orientierung geben. Ich bin auch hingestanden, wenn es schwierig war. Es ist nicht besonders angenehm, den Menschen zu erklären: So, jetzt dürft ihr dies nicht mehr, und das ist ab sofort geschlossen. Aber diese Pressekonferenzen, an welchen die Journalistinnen und Journalisten Fragen stellten, während das halbe Land live dabei war: Die haben auch Transparenz und Nähe erzeugt, die uns geholfen hat.

Im Herbst haben die warnenden Botschaften nicht mehr richtig funktioniert. Die Leute begannen, abzustumpfen. Wie redet man mit einer Corona-erschöpften Bevölkerung?

Wir alle haben genug von Corona. Es ist das Normalste der Welt, dass sich solche Appelle abnützen. Ich glaube, in einer solchen Situation entsteht eine Art Sehnsucht nach Klarheit und Einfachheit: Sagt uns einfach, was jetzt gilt.

Geblieben aus dem Frühjahr ist der «Ruck», der durchs Land gehen müsse.

Es war mir wichtig, ehrlich zu sein, darum diese Botschaft. Es gab in diesem Jahr Momente, in denen etwas in der Luft lag, das man aussprechen musste. Dabei spielt auch das Nonverbale eine wichtige Rolle: Die Leute spüren das.

Haben Sie versucht, dieses Nonverbale bewusst einzusetzen? Haben Sie zum Beispiel vor dem Spiegel geübt, dem Land den Lockdown bekannt zu geben?

Nein, es geht um etwas ganz anderes. Man muss einfach authentisch bleiben. Die Leute dürfen auch merken: Das ist jetzt schwierig für sie. Oder: Die Regierung ist offensichtlich unter Druck. Zu früh, zu spät, nicht jetzt, nicht so – diese Debatte lief nicht nur in der Bevölkerung, die lief auch im Bundesrat. Das darf man spüren.

Wie führt man eine Regierung, wenn die Ansichten derart weit auseinanderliegen?

Für mich war die Erfahrung das Wichtigste. Ich bin jetzt zehn Jahre im Bundesrat, zum zweiten Mal Präsidentin. Im ersten Präsidialjahr mussten wir uns mit Terroranschlägen und der Flüchtlingskrise befassen. Während der Pandemie haben wir nun aber eine ganz neue Situation, weil sich alles rasend schnell zuspitzen kann: Wir wissen, dass wir am Ende der Sitzung einen Entscheid haben müssen. Bei einem normalen Geschäft nehmen wir uns zusätzlich Zeit, wenn es Unklarheiten gibt. Das geht bei Corona nicht. Die Debatten waren deshalb auch mal gereizt und emotional. Es geht um sehr viel.

Und wie entschärft man die Lage, wenn die Emotionen hochgehen?

Dann macht man eine Kaffeepause und vielleicht noch eine. Man steht auf, wir lüften ja jetzt öfter, und dann redet man auch mal zu zweit. Wissen Sie, der Bundesrat hat schon so viele schwierige Situationen durchgemacht, das gibt auch Kraft, um gemeinsam eine Lösung zu finden.

Für viele Leute war die Pandemie lange seltsam abstrakt. Es geht um Reproduktionszahlen und Positivitätsraten. Wann wurde für Sie Corona konkret?

Ich war früh im Jahr auf einer Intensivstation in Lausanne. Da sah ich die beatmeten Menschen im künstlichen Koma – das vergesse ich nicht mehr. In einem Altersheim spielte eine 99-jährige Frau, die zuvor an Corona erkrankt gewesen war, ein Klavierstück für mich. Das hat mich so berührt! Die Frau hat erzählt, sie habe die Krankheit nicht gespürt – «gsehnd Sie, ich bin ja immer noch da», sagte sie.

Und was funktioniert überhaupt nicht?

Sprüche klopfen, saloppe Aussagen machen und dann den Alltag der Menschen ignorieren.

Wie haben Sie den Kontakt mit anderen Regierungen erlebt? Können Videokonferenzen den direkten Kontakt ersetzen?

Meine Erfahrung war so, dass in bilateralen Kontakten sehr viel möglich ist, zum Beispiel in einem einstündigen Videogespräch mit Frau Merkel. Man redet offen, man lacht, es findet ein wirklicher Austausch statt. Die grossen, multilateralen Konferenzen mit zwanzig Köpfen auf einem Bildschirm hingegen – da fehlt der informelle Teil. Ich sage jeweils: Menschen müssen sich in die Augen schauen können, das geht per Video nicht wirklich.

Wir halten zuhanden aller Büro-Arbeitenden fest, ganz offiziell von der Bundespräsidentin: Videokonferenzen mit zwanzig Teilnehmern funktionieren nicht wirklich.

(lacht)

Welche Ziele, die Sie sich für dieses Jahr gesetzt haben, konnten Sie nicht erreichen? Welche davon schmerzen besonders?

Das Jahr begann ja mit dem WEF, dort und bei den Wahlen in der Schweiz war das Klima ein zentrales Thema. Die Klimakrise ist noch da, Corona hat sie nicht verschwinden lassen, sie ist nur in den Hintergrund getreten. Wir werden uns diesen Fragen wieder zuwenden müssen. Die Pandemie hat uns zudem gezeigt, wie verlässlich unsere Grundversorgung ist. Die Züge sind gefahren, die Post hat funktioniert, wir hatten Strom. Das müssen wir auch in Zukunft pflegen.

Nun legen Sie Ihr Amt als Präsidentin ab. Welche Ratschläge geben Sie als oberste Krisenmanagerin Ihrem Nachfolger weiter?

Ich glaube nicht, dass ich Kollege Parmelin Ratschläge geben muss. Jeder muss seine Rolle selbst finden. Mir war es wichtig, im Bundesrat und zwischen den Kantonen zu vermitteln. Das läuft mehr im Hintergrund. Gleichzeitig habe ich direkt eingegriffen, wenn es geklemmt hat. Als vorletzte Woche die Züge nach Italien nicht mehr fuhren, habe ich die Transportministerin in Italien angerufen und mit ihr besprochen, was wir machen können. Wir vernetzten unsere Leute miteinander, und ein paar Tage später war das Problem gelöst.

Hat sich dieser direkte, informelle Austausch mit anderen Regierungen verstärkt?

Ja, über alle Kanäle, von der Kurznachricht bis zum Videocall.

Sie sammeln auf Ihrem persönlichen Telefon Ministertelefonnummern und rufen Ihr Pendant in Italien direkt an?

Wenn man ein fixes Gespräch braucht, vereinbaren wir einen Telefontermin. Aber wenn man sich kennt, kann man gut eine Kurznachricht schicken. Das ist speziell in der Schweiz – als Bundespräsidentin hat man Kontakte zu vielen Staatspräsidenten, aber nach einem Jahr übernimmt ein Kollege.

Das wäre vielleicht ein Ratschlag für Herrn Parmelin: Sie könnten ihm eine Liste mit den zwanzig wichtigsten Handynummern aufschreiben.

Die kann er selbstverständlich haben. Aber wissen Sie, Handynummern tauscht man erst nach einem persönlichen Kontakt. Sie können ein Staatsoberhaupt nicht einfach so anrufen, mit dem Sie selber noch nie gesprochen haben. Wenn man sich aber kennt, ist vieles sehr unkompliziert geworden. In diesem Jahr beschleunigte sich das, weil es schnell gehen musste.

Worauf freuen Sie sich, wenn die Pandemie vorbei ist?

Ich konnte meinen 60. Geburtstag nicht feiern – ich wollte alle Menschen der Schweiz einladen, die am gleichen Tag wie ich 60 geworden sind. Das hätte ein schönes Fest gegeben. Ich plane nun, sie zu meinem 61. Geburtstag einzuladen – wenn es denn möglich ist.

Was haben Sie in diesem Jahr besonders genossen?

Am 1. August habe ich 52 Heldinnen und Helden des Alltags aufs Rütli eingeladen – aus jedem Kanton je eine Frau und einen Mann sowie Vertreter der Auslandschweizergesellschaft. Die Frau, die das Volg-Lädeli führt, oder den Restaurantbesitzer, der im Altersheim Essen stiftete. Das war ein wunderbarer Tag.

Was haben Sie in dieser Zeit über sich selbst gelernt?

Nun, Druck erlebe ich nicht zum ersten Mal. Der Umgang mit schwierigen Situationen gehört als Bundespräsidentin dazu, das muss man lernen. Ich weiss, dass ich ruhig bleibe, wenn es um mich herum drunter und drüber geht. Das heisst nicht, dass später vielleicht alles noch mal hochkommt, aber in diesen Momenten lasse ich mich nicht aus der Ruhe bringen. Das hat auch in diesem Jahr funktioniert.

Wenn wir nach vorne schauen: Wann kommen wir aus der Krise?

Das kann niemand mit Gewissheit sagen. Es wäre fahrlässig, der Bevölkerung falsche Hoffnung zu machen. Mein Ziel war immer, nichts zu versprechen, was man nicht halten kann. Wir wissen, dass Impfungen unterwegs sind. Die werden helfen.

Die grösste Impfkampagne der Geschichte kommt auf uns zu. Wie verhindert der Bundesrat, dass die Impffrage in der Bevölkerung einen weiteren Graben aufreisst?

Es gibt Länder, da sagt man: Wir impfen jetzt einfach mal. In der Schweiz wollen wir zwar, dass es schnell geht, wir haben vorwärts gemacht, aber nicht auf Kosten der Sicherheit.

Werden Sie öffentlich hinstehen, den Ärmel hochrollen und sich dabei filmen lassen?

Selbstverständlich werde ich mich impfen lassen, sobald es genug Impfstoff für alle gibt. Gemäss unserer Strategie kommt dieser zuerst den Risikogruppen zugute. Sich bei allem grad filmen zu lassen – da bin ich zurückhaltender. Wichtig ist, Vertrauen zu schaffen. Das beruht auf Fakten. Für unsere Bevölkerung sind Zwang, Druck und Drohung keine guten Mittel.

Wie meinen Sie das?

Wir hatten einen Moment, als in Deutschland Schutzmaterial blockiert war. Ich habe dann mit Ursula von der Leyen telefoniert, und Kollege Parmelin hat mit dem deutschen Wirtschaftsminister telefoniert. So konnten wir die Situation deblockieren. Diese Freundschaften muss man pflegen, als Land, aber auch privat. Menschen zu haben, von denen ich weiss, dass ich auf sie zählen kann, auch wenn man sich nicht treffen kann – das ist unglaublich viel wert.

Muss man nächstes Jahr ins Innere der Schweizer Machtmaschine eingreifen, das Räderwerk des Föderalismus anschauen?

Man kann jetzt zwar Zwischenbilanz ziehen, aber wir sind noch mitten in der Krise. Wir brauchen unsere ganze Energie, um sie zu bewältigen. Ich kann mir aber vorstellen, dass wir in Zukunft die Pandemiepläne breiter ausrichten müssen. Diese berücksichtigen heute die Gesundheit und die Wirtschaft. Die sozialen Auswirkungen, was Corona mit den Menschen macht, mit der Bildung, mit den Älteren, den Kindern – das muss alles einfliessen.

Und gesellschaftlich? Werden wir so weitermachen wie bisher?

Es wäre schön, wenn das nicht so wäre. Homeoffice beispielsweise ist nicht das Mass aller Dinge – aber einen Teil der Zeit von zu Hause aus zu arbeiten, könnte unsere Mobilität verändern. Ich kann mir auch vorstellen, dass die Schweiz aufblühen und viel Innovationskraft freisetzen wird.

In welcher Hinsicht?

Wir haben im Bundesrat dazu Experten angehört. Sie waren einhellig der Meinung, dass die Schweiz vor allen Dingen in zwei Bereichen führend sein kann: nachhaltige Technologien und Digitalisierung. Wir haben das Personal und das Know-how, wir können dem Land eine Perspektive bieten.

Dann müssen wir aber aufhören, Gesundheitsdaten per Fax zu versenden.

Genau.

Quelle: https://www.bernerzeitung.ch/hausarrest ... 4548915708
Gruss Tom
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Michaleo
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Re: SARS-CoV-2/COVID-19

#3367

Beitrag von Michaleo »

Dann müssen wir aber aufhören, Gesundheitsdaten per Fax zu versenden.
- Genau.
:D Der ist gut!
Ich weiss nicht mehr, wann ich das letzte Fax im Büro machte, aber es ist echt lange her.
Und auch wir hatten mit sehr heiklen Daten zu tun, und beachteten den Datenschutz enorm.
Freundliche Grüsse :)
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ZH-thai-fun
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Re: SARS-CoV-2/COVID-19

#3368

Beitrag von ZH-thai-fun »

Wenn die halbe Welt "Somaruga's"- als Präsidenten hätten, könnte man/die Extremen Wellen glätten. Was die andere Hälfte natürlich auch nicht gerne hätten.
In meinem Kopf ist "Potpurri" ... :-H
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phimax
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Re: SARS-CoV-2/COVID-19

#3369

Beitrag von phimax »

Interessante Fragen aus der Wissenschaft.
https://www.heise.de/news/Coronavirus-G ... 96051.html
Orwell war ein Optimist :-s
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phimax
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Re: SARS-CoV-2/COVID-19

#3370

Beitrag von phimax »

Wenn wir schon beim Thema sind...
Welche Impfstoffe gibt es bzw. kommen noch und wie sie funktionieren.

https://www.gelbe-liste.de/nachrichten/ ... Impfstoffe
Orwell war ein Optimist :-s
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