Ja, Tom, ich vergleiche Saubannerzüge oder Hooligan Exzesse von Fussballfans in der Schweiz mit mor ram sing Schlägereien im Isaan nicht nur, ich gehe sogar noch weiter: sie sind gleich motiviert - nur in den Auswirkung sind sie kulturell bedingt etwas verschieden.tom hat geschrieben:Du vergleichst Anlässe an welchen es primär und zum allergrössten Teil Sachbeschädigungen gibt im Ernst mit Anlässen an welchen junge Leute mit Messer, Schwerten und Schusswaffen aufeinander losgehen und auch mal einer an Verletzungen stirbt, thedi?
Die Motivation ist bei all diesen Anlässen:
- Gruppenzugehörigkeit. Jeder ist der Überzeugung zu den Guten zu gehören und gegen die Schlechten zu kämpfen.
- Es gibt kein Ziel. Ein Sieg würde die Sache nicht erledigen. Der nächste Anlass kommt so sicher wie das Amen in der Kirche.
- Die persönliche Motivation ist 'einmal die Sau raus lassen zu können'. Das Korsett der Konventionen für einmal missachten. Sich davon befreien. Endlich mal tun was man eigentlich nicht dürfte. Das Gefühl von Freiheit ... schlussendlich Lebensfreude - so pervers wie es tönt, aber das ist es tatsächlich.
- Die Anlässe sind geplant. Man bereitet sich vor, trinkt sich bewusst Mut an oder baut irgend was chemisches ein.
- Wenn man einen der Chaoten einzeln, ohne seine Gruppe, nüchtern vor sich hat, sind das ganz normale Menschen.
---
Vor ein paar Jahren haben drei Jugendliche von der Goldküste am Zürichsee bei einem Schulausflug in München nachts Leute zusammen geschlagen. Ohne Provokation - einfach so. Ein Behinderter wurde dabei lebensgefährlich verletzt. Die Szenen im Hua Hin Video hätte man dort aufnehmen können: es wurde auch hier auf den wehrlos am Boden liegenden eingetreten, bis er sich nicht mehr bewegte.
Der Anführer der Schläger-Gruppe war eine Eishockey Spieler in der gleichen Junioren Mannschaft wie der Sohn eines meiner Freunde. Die Kinder kannten sich, die Eltern kannten sich. Alles oberer Mittelstand. Niemand glaubte den Berichten. Der Junge war bekannt als anständig und eher ein Streber, auf jeden Fall angepasst. Aber trotzdem stimmte es: er war das Alfatier der Gruppe gewesen.
Dieses Beispiel zeigt, dass es Ausraster gibt. Es ist unmöglich so eine Tat aufgrund von ein paar Zeilen (Infotainment) zu beurteilen. Im Prozess brauchten die Richter mehrere Tage um sich ein Bild von der Situation zu machen, um die Psyche und Schuld der Täter zu beurteilen. Sie kamen in München vor Gericht und bekamen dort viel härtere Strafen als sie es in der Schweiz bekommen hätten. Damit war dem Volkswillen Genüge getan.
---
Im Isaan würde nach so einer Schlägerei oft nicht die Polizei gerufen, sondern die Eltern und phu yai der beiden Parteien würden sich über eine Kompensation einigen. Das ist ein kultureller Unterschied. In DACH ist es Sache des Staates - hier ist es Sache der betroffenen Familien. Der Staat kümmert sich in Thailand kaum um Streitigkeiten der Bevölkerung - auch bei Gewalt in der Familie kommt hier keine KEBS - das wird im Dorf von den Leuten selbst geregelt.
Es ist unnötig das eine System als besser oder schlechter zu bezeichnen. Beide haben ihre Vor- und Nachteile. Nach einer mor-ram-sing-Konzert Schlägerei könnte man nur alle Beteiligten ins Gefängnis werfen. Es gibt nicht Gute und Böse - keine Aggressoren und Unschuldigen. Das sind alte Schlägertraditionen, die sich von Generation zu Generation erhalten haben. Mit Gefängnisstrafen könnte man nichts daran ändern.
Genau so wie man einen Linksautonomen mit den in der Schweiz zur Verfügung stehenden Strafen nicht zähmen kann - man könnte ihn auch mit Scharia-Strafen nicht zähmen. Es würde vermutlich nur noch mehr eskalieren.
---
Sowohl bei Fussball-Hooligan-Ausrastern wie auch bei mor ram sing Schlägereien sind Unbeteiligte eigentlich nicht gefährdet, sofern sie sich nicht blöd verhalten. Das Problem bei mor ram sing Schlägereien ist, dass man als Tourist nicht merkt, wenn man sich einer Gruppe anschliesst so dass man nun von den anderen als dort dazu gehörend wahr genommen werden könnte. Bei Fussball Match bist Du Dir bewusst, dass Du besser mit einem neutralen Halstuch hin gehst, wenn Du da nicht mir hinein gezogen werden möchtest. Im Isaan kennst Du als Tourist die Zeichen nicht. Da geht es eher darum bei wem Du stehst und mit wem Du Bier trinkst - oder wessen Einladung zu einem Bier Du ablehnst - auch damit kannst Du Dich positionieren, ohne es zu wollen.
Generell sind unsere Frauen und Verwandten ängstlich wenn es im Isaan um unsere Sicherheit geht. Sie sehen, wie wir hier tag-täglich von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen gehen. Freundlich wie sie sind, sagen sie nichts, aber sie halten uns für etwas tollpatschig und auch naiv. Macht nichts, solange wir nicht gerade in eine explosive Situation gehen. Daher die Warnung - ja Verbote - nicht an mor ram sing Konzerte zu gehen.
Mit freundlichen Grüssen
Thedi