
Bei den Maniq sprechenden Völkern im Süden Thailands hat der Geruch, den alte Hütten verströmen, einen eigenen Namen. Genau denselben Begriff benutzen sie auch für den Duft von Pilzen, den Fellgeruch eines toten Tieres oder den Duft, den man in der Nase hat, wenn man einen Schluck aus einem Bambusrohr nimmt. Auch der Duft der Sonne ist ein eigenständiger Begriff, es ist derselbe wie für den Geruch von Talkpuder, Seife und Kleidung.
Die deutsche oder auch die englische Sprache kennen diese Möglichkeit nicht. Bei uns riecht etwas "blumig" - also wie Blumen - oder "schimmelig" - also wie eine Substanz, die von Schimmelpilzen befallen ist. Wir brauchen konkrete Hilfswörter, um Gerüche beschreiben zu können.
Anders verfahren wir mit Farben: Wir können Rot, Grün oder Gelb benennen, ohne uns rote, grüne oder gelbe Objekte zur Hilfe nehmen zu müssen. Unser Mangel an abstrakten Namen für Gerüche galt lange als Indiz dafür, dass wir unseren Geruchssinn inzwischen so weit vernachlässigt haben, dass nicht einmal mehr ein Bedürfnis besteht, Gerüche benennen zu wollen.
Die Maniq-Sprecher leben als Jäger und Sammler im tropischen Regenwald Thailands. Sie ziehen durch die Banthad-Berge in den Provinzen Trang, Satun und Phatthalung. Heute sind es noch etwa 250 bis 300 Menschen, die Maniq als Muttersprache sprechen.
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LG:Dan