Die "andere" Seite von Laos

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MyThai
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Die "andere" Seite von Laos

#1

Beitrag von MyThai »

Verschollen in Vientiane




Bild

Im kommunistischen Kleinstaat Laos schien sich eine politische Öffnung anzubahnen – bis vor einem Jahr ein bekannter Aktivist spurlos verschwand. Die internationale Gemeinschaft reagiert empört.

http://www.nzz.ch/aktuell/international ... 1.18190084

Werner
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Re: Die "andere" Seite von Laos

#2

Beitrag von Werner »

Ja, übel. Das Land ist schon undurchdringlich.

Meine Fahrt von Vang Vieng nach Luang Prabang offenbarte auch einiges. Die Straße stand damals komplett unter der Bewachung der Armee. Er zeigte mir immer wieder Lager der Armee, ein paar Hütten am Straßenrand. Die Soldaten waren bis auf wenige, die ich sah, in den Büschen und schützten die Straße. Nachts war sie nicht sicher. Auch da wurden immer mal Leute umgebracht, auch mal französische Radfahrer. Aber das ist viele Jahre her. Es hat sich wohl viel geändert. Nun befindet sich das Land auf dem Weg zur Öffnung und zur Versöhnung mit den Auslands Laoten.

Man muss natürlich so einen Artikel wie diesen auch mal kritisch hinterfragen.

Die waren mit zwei Autos unterwegs, Laoten können sich meist nicht mal ein Moped leisten, also die sind äußerst wohlhabend. Der Mann tauchte nicht mehr auf, als die Frau ihn bei der Polizeistelle zurück gelassen hatte. Die Frau merkte dass und rief zwar alle Kliniken an, kam aber erst zwei Tage später auf die Idee mal zu der Polizeistelle zu fahren? Also, ich (Meine Familie reagiert da sehr schnell und instinktiv und springt sofort los wenn es ein Problem gibt) wäre sehr schnell da hin gefahren und dann die Strecke noch mehrfach vorsichtig abgefahren um das verunglückte Auto zu suchen. Die Stadt ist sehr klein und überschaubar.

Dann muss man wissen, es geht hier sicher um wohlhabende Leute, wenn nicht reiche Leute. Er hat in den USA studiert, leitet eine Hilfsorganisation und arbeitet mit NGO's. NGO's bringen oft mit Bezahlungen für Mitarbeiter, Berater usw auf höchstem Nivau sehr viel im Land durcheinander. In Banda Aceh wurde z. B. das Doppelte bis Vierfache es normalen Lohns an alle gezahlt, an Vermieter, an Hausmädchen, Fahrer, usw usw usw. Das bringt sehr viel durcheinander und schafft auch ohne Ende Neid und Missgunst. Es destabilisiert eine Gesellschaft. NGO's haben sehr oft neben der "Hilfe" auch religiöse oder politische Ziele, die sie massiv vertreten. (Deswegen hat Myanmar die auch nicht ins Land gelassen) Die Ziele können auch die Vorbereitung von "Demokratie und Marktwirtschaft" sein, die in einem kommunistischen Land schon Probleme macht. Kein Machthaber gibt irgendwas gerne auf.

Also eine schwierige Situation wie auch beschrieben. Hinzu kommt Geld, viel Geld, das irgendwie verteilt wird und sicher Dinge fördert die im krassen Gegensatz zu den Möglichkeiten des Staates stehen.

Stellt euch vor euer Staat tut alle was er kann um das beste Hospital für seine Bürger zu bauen, die Behandlung ist kostenfrei oder sehr günstig. Aber es geht einfach nur ein naja, primitiver Bau und Schlafsäle mit 10 Betten usw. Mehr ist nicht drin, mehr Geld hat der Staat eben nicht. Und er sagt dass er das Beste für seine Bürger tut, was in seinen Kräften seht.

Und dann kommt eine NGO mit Millionen US-Dollar und einem Geld-Sammelprogramm zur Spendensammlung, bunten TV-Spots und allem und baut eine wundervolle fette Klinik nach US Standard. (Die oberen Etagen für Ausländer, Reisende und First Class WHO Versicherte.) Die unteren Etagen, auch super schön für Bürger, die dort kostenfrei behandelt werden. Somit schöpft die NGO alle Gelder ab, die Ausländer (wir Touristen mit einer Auslands KV) für Gesundheit ausgeben und stellt sich gleichzeitig als die großen Wohltäter im Land dar. Alles ist dort besser, die Ärzte und Schwester bekommen das doppelte Geld. Die Bürger gehen da hin und ihren wird eingetrichtert, dass nur diese NGO die Guten sind und so gut behandeln und man doch neben bei mal zum christlichen Glauben und zum Kapitalismus übertreten sollte.

Gefällt das? Nee, da kommt der Staat doch mies drauf, oder?

Also da gibt es viele Probleme mit NGO's in den Ländern wo sie tätig sind. Sei es dass sie buddhistische Weisenkinder oder Kinder aus Bergdörfern in Thailand in Internate einladen, wo sie gut ausgebildet werden und gleichzeitig mal eben zu Christen gemacht werden. Also totale Entfremdung von ihrer Heimat. Oder auch dass NGO's wie in Banda Aceh, das vierte Haus an eine kleine Familie übergibt, die es nicht mehr braucht weil die anderen aus der Großfamilie da nie einziehen werden, die sind ja leider alle umgekommen. Aber nein, es werden doch gerne kleine Häuser für Menschen die es nicht brauchen mitten im Tsunami Überschwemmungsgebiet gebaut, könnt ihr euch ansehen.

Also, es ist sehr übel, dass der Mann verschwunden ist. Aber wer weiß was ihm passierte, das wird sicher schwierig das aufzuklären. War es die Ehefrau? War es ein neidischer Nachbar? War es die Polizei? Waren es Geschäftsfreunde? Oder fragen wir mal einfach: Warum zeigt die Polizei das Video, wenn der Geheimdienst den Mann verschleppt hat. Sind die irre? Normal denkende Geheimdienstleute hätten das Band verschwinden lassen. Und wo ist sein Auto? Also die Chance, dass der Mann einfach von Geschäftsfreunden abgeholt wurde ist auch gegeben. Hatte er das Handy in seinem Auto vergessen? Haben Freunde ihn umgebracht? Viele Morde unter Reichen sind nicht politisch sondern passieren einfach nur aus Gier.

Also da sind mir zu viele Unklarheiten. In dem Zeitungsbericht lese ich wenig Fakten, sehr viele böse Worte die gegen die Regierung und die ganze Zeit nur vom "Guten Mann" und der "Bösen Regierung". Politisch total einseitig. Was wirklich passierte werden wir sicher kaum raus bekommen.

Genau wie bei Dingen hier in meiner Heimatstadt.

W.
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Michaleo
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Re: Die "andere" Seite von Laos

#3

Beitrag von Michaleo »

Inhaltlich sehr interessanter Beitrag, Werner :ymapplause:
Freundliche Grüsse :)

henrik
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Re: Die "andere" Seite von Laos

#4

Beitrag von henrik »

Hallo Zusammen,
Michaleo hat geschrieben:Inhaltlich sehr interessanter Beitrag, Werner :ymapplause:
so ist es.

Meine Erfahrungen in Laos sind folgende: Ich hatte seinerzeit (Ende der 1990er) einen Belgier kennengelernt, der in Vientiane fuer den DED (Deutschen Entwicklungsdienst) taetig war. Ein feiner Kerl, und ein passionierter Hobby-Bierbrauer.

Irgendwann kam es mal dazu, dass er mir einen Teil seiner (laotischen) Familie vorstellte: "Henrik, sei vorsichtig, das geht in hohe Regierungskreise". OK, das war kurz nachdem in ca. 2000 das russische U-Boot abgesoffen war. Er sagte nur zu mir: "Komm bitte bloss nicht auf dieses Thema: Mein Schwager ist ueberzeugt, es waren die Amerikaner - Sabotage! Ein russisches U-Boot saeuft nicht so einfach ab ! Unterhalte Dich mit dem Kerl bloss nicht ueber Politik !". Nun, ich habe mich dran gehalten.

Kurz darauf musste mein Freund - unter welchen Umstaenden auch immer - das Land von jetzt auf gleich (!) verlassen. Er lebt heute mit seiner Tochter in Belgien...

Das ist uns freien Menschen nicht immer bewusst, aber es gibt immer noch Laender, wo Meinungsfreiheit nicht selbstverstaendlich ist... China laesst da ebenfalls gruessen.

Viele Gruesse,
Henrik
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thedi
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Re: Die "andere" Seite von Laos

#5

Beitrag von thedi »

Es ist mir auch schon mehrfach aufgefallen, dass NGOs in Südostasien kritisch wahrgenommen werden. Nicht nur von offizieller Seite.

NGOs nehmen sich oft Themen an wie Umweltschutz, der Frauensache oder Kinderprostitution. Themen die von der lokalen Bevölkerung ganz anders gewertet werden, und bei denen sie lokalen Grössen in den Weg kommen können.

Das persönliche Gehabe von NGOs spielt sicher auch eine Rolle. Dass sie sich oft als über dem Gesetz stehend fühlen - schliesslich sind sie die Guten. Manche werden mit ihren 4WD airconditionierten Superkarren und Expeditionsausrüstungen als protzig und arrogant empfunden. In Sakon Nakon sagte mir in NGO mal: "wenn ich zu schnell fahre - oder bei rot über die Kreuzung fahre, dann getraut sich kein Polizist mich anzuhalten. Sie wissen, dass ich regelmässig mit ihrem Chef zum Nachtessen aus gehe".

Wie würden es Schweizer oder Deutsche empfinden, wenn NGOs bei ihnen mit Range Rovern durchs Lande fahren würden und ihnen erklären wollten, wie man was zu machen habe? Welche ihrer Traditionen oder Wirtschaftszweige geändert werden müssen? Um das nachempfinden zu können, müsste man sich noch vorstellen, dass die Leute Vollbart und Turban tragen.

Ausländer sind immer gut beraten, wenn sie sich aus der Politik heraus halten. Genau das machen NGOs nicht.


Mit freundliche Grüssen

Thedi
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Vansana
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Re: Die "andere" Seite von Laos

#6

Beitrag von Vansana »

thedi hat geschrieben:Manche werden mit ihren 4WD airconditionierten Superkarren und Expeditionsausrüstungen als protzig und arrogant empfunden.
Du hast vollkommen Recht, Thedi.

Frueher als noch viele NGO's in Laos waren sah ich jeden Tag dutzende weisse Landcruiser vor dem Auslaendertreff dem Khop Chai Deu.
Die Leute hatten Feierabend, und das schon vor 11 Uhr morgens. Die Bezahlung bei den NGO's ist (fuer Auslaender) dann auch noch ueberdurchschnittlich.
Gearbeitet haben aber meist nur die Laoten. Da sich manche Projekte ueber einen relative kurzen Zeitraum erstrecken, ist dann der auslaendische "Experte" einmal Spezialist fuer Wasserschutz, dann fuer Ernaehrungssicherheit und ein Jahr spaeter dann fuer Gesundheit.

Liebe Gruesse
Vansana, die sich immer noch fasst jeden Tag aergern muss wenn der dicke weisse Landcruiser in der Halteverbotszone vor dem Khop Chai Deu parkt und der Stau 3oo Meter weit reicht...
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doldi51
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Re: Die "andere" Seite von Laos

#7

Beitrag von doldi51 »

Das muss man nicht auf die NGOs beschränken.
Es gibt nicht wenige unserer D A CH Landsleute die eine Gutsherren Art an den Tag legen, das es schmerzt.
"Immerhin bringe ich ja das Geld, die müssten mir jeden Tag die Füße küssen"
Und sie wundern sich ernsthaft, das die armen unterbelichteten Eingeborenen das nicht zu würdigen wissen.
*
Aber jeder sollte gelegentlich auch einmal in den Spiegel schauen. (Ich versuche es zumindest hin und wieder).
Die wenigsten von uns werden hier wohl kaum irgendwelche missionarischen Absichten oder politisches Machtbestreben haben.
Aber ich sehe auch das in jeden Isaan Dorf ohne Schwierigkeiten zu erkennen ist, wo ein Farang wohnt.
Und die Erklärung <ich habe mein ganzes Berufsleben dafür geackert, das ich mir das hier jetzt leisten kann> wird bei den wenigsten Einheimischen ein verständnisvolles Kopfnicken hervorrufen.

Dieter
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Michaleo
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Re: Die "andere" Seite von Laos

#8

Beitrag von Michaleo »

Gestern kam im Nachrichtenmagazin 10vor10 eine Sendung über den Mekong und die Wasserkraftwerke in Laos, welche Strom für Thailand produzieren und die Biotope am Mekong zerstören.
Freundliche Grüsse :)

Kurt Singer
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Re: Die "andere" Seite von Laos

#9

Beitrag von Kurt Singer »

Auch in Thailand kommt der Strom aus der Steckdose. Sollte man da nicht besser Kernkraftwerke bauen, damit keine Biotope des Mekhong zerstört werden? :ironie:
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Michaleo
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Re: Die "andere" Seite von Laos

#10

Beitrag von Michaleo »

Kurt Singer hat geschrieben:
Sa 29. Mai 2021, 21:53
Auch in Thailand kommt der Strom aus der Steckdose.
Na ja, im Beitrag heisst es, der Strombedarf von Thailand sei gedeckt, es brauche die geplanten Kraftwerke in Laos gar nicht. Ob das genau so stimmt lässt sich wohl kaum berechnen und die Meinungen sind sicher von den Interessen abhängig. Stromproduzenten behaupten immer, dass es in der Zukunft mehr Strom braucht.
Freundliche Grüsse :)
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