SARS-CoV-2/COVID-19

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drfred
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Re: SARS-CoV-2/COVID-19

#1371

Beitrag von drfred »

danke @joe, das ist sehr interessant.
Joe hat geschrieben:
Fr 17. Apr 2020, 13:38
mit den aktuellen Zahlen schauen wir ja 14 Tage in die Vergangenheit. Wenn wir jetzt also maßvoll lockern - und damit einen Anstieg haben werden - dauert es noch 14 Tage, in denen die Auswirkungen der aktuellen Maßnahmen noch sichtbar sind. Vielleicht sind wir also in 14 Tagen bereits wieder auf einem Niveau, bei dem die Einzelnachverfolgung wieder möglich ist und die Maßnahmen daher (weiter) gelockert bleiben/werden können...
nur ein gedankengang von mir betr. nachvollziehbarkeit der durch die getroffenen massnahmen erzielten erfolge resp. ansteigen und senken der wachstumskurven: das "flatten the curve" also senken der wachstumsrate lässt sich viel direkter auf die einschränkungen und verbote zurückzuführen, da sich mit inkrafttreten dieser sich ja alle und per sofort daran halten müssen. bei lockerungen wird die damit erwartete, einhergehende zunahme der infizierten viel weniger direkt und umtittelbar messbar sein. es rennen ja nicht alle am tage der lockerung zum friseur oder in den baumarkt. hier wird es wohl mehr als 14 tage brauchen um die effekte der lockerung auf das wachstum mess- und/oder sichrbar zu machen. oder?
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Joe
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Re: SARS-CoV-2/COVID-19

#1372

Beitrag von Joe »

So würde ich das auch sehen. Möglicherweise sieht man in - rund - 14 Tagen sogar gewisse Effekte. Diese dürften zu diesem Zeitpunkt aber statistisch dann noch nicht relevant sein.

Das ist eben das große Problem, das Kapitänin Merkel und ihre Crew - genauso, wie alle anderen Staatenlenker in der Welt - aktuell haben. Man steuert einen Riesentanker durch einen schmalen, mäandernden Fluss. Und alle Steuerbefehle muss man 14 Tage im Voraus erteilen, da der Tanker so träge reagiert und man Richtungsänderungen erst dann erkennt.

Zum anderen ist es psychologisch schwer, einmal gefasste Lockerungen - ggf. sogar wiederholt - zurückzunehmen. Daher wird eben weiter ganz vorsichtig navigiert...
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Michaleo
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Re: SARS-CoV-2/COVID-19

#1373

Beitrag von Michaleo »

Joe hat geschrieben:
Fr 17. Apr 2020, 14:01
Man steuert einen Riesentanker durch einen schmalen, mäandernden Fluss. Und alle Steuerbefehle muss man 14 Tage im Voraus erteilen, da der Tanker so träge reagiert und man Richtungsänderungen erst dann erkennt.
Sehr schönes Bild, @Joe, für alle, welche ständig an den Regierungsentscheide herummäkeln.
Sicher für mich ist einzig die nachgewiesene Immunität oder ein Impfstoff. :-w
Freundliche Grüsse :)
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Joe
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Re: SARS-CoV-2/COVID-19

#1374

Beitrag von Joe »

Man soll ja nicht vorschnell sein mit Meldungen, aber positive Nachrichten sind ja in dieser zeit auch wichtig:

https://www.spiegel.de/wissenschaft/med ... 7bfdf6dcbe
Wer es ein bisschen wissenschaftlicher lesen möchte, findet auch hier etwas zu laufenden Ergebnissen:

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/ ... i-COVID-19
Meine persönliche Einschätzung - als absoluter medizinischer Laie, aber wissenschaftlich Interessierter: Jetzt wird zum einen die Remdesivir-Produktion beim Hersteller hochgefahren (passiert wohl bereits seit einigen Tagen...). Zum anderen werden die Nebenwirkungen noch genauer untersucht.

Am Ende wird eine Empfehlung stehen, wann man mit welcher Dosis nachweislich Infizierte kann/darf/soll. Ich vermute, dass man dann schon bald Infizierte - zumindest, wenn sie zur Risikogruppe gehören - bereits zu einem frühen Zeitpunkt (also deutlich vor Intensivstation) mit Remdesivir behandeln wird. Natürlich mit möglichst geringer Dosis. Und natürlich mit möglichst wenig Nebenwirkungen.

Hier werden in den nächsten Monaten die Hauptaufgaben liegen - die Feindosierung vom Menge und Zeitpunkt.

Aber es wäre schön, wenn damit ein erstes Mittel zur Verfügung stände, mit dem das Risiko der schweren Erkrankung und damit die Mortalität gesenkt werden würde. Das gäbe wieder deutlich mehr Spielraum bei den Entscheidungen zu Einschränkugen und Schutz von Risikogruppen.
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phimax
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Re: SARS-CoV-2/COVID-19

#1375

Beitrag von phimax »

Orwell war ein Optimist :-s
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tom
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Re: SARS-CoV-2/COVID-19

#1376

Beitrag von tom »

Ein guter Kommentar aus der Neuen Zürcher Zeitung, insbesondere diese Aussage sollte man sich effektiv mal zu Herzen nehmen:
Akzeptieren wir, dass der Mensch sterblich ist, ein langes Leben nicht per se Ziel sein kann, dass Wohlstand auf produktiver Arbeit – und nicht auf das Leben erstickender Bürokratie – beruht, dass auf sieben fette auch sieben magere Jahre folgen können und Letztere die Chance zur Erneuerung bedeuten, dass dem politischen Handeln Grenzen gesetzt sein müssen, da es sonst zum Machtmissbrauch und zum Crash führt.
Quelle und ganzer Bericht: https://www.nzz.ch/feuilleton/corona-kr ... osGv08qXgg

Gruss Tom
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Joe
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Re: SARS-CoV-2/COVID-19

#1377

Beitrag von Joe »

Der geneigte Thread-Leser mag ja schon mitbekommen habe, dass ich mich auch ein bisschen für die Hintergründe der Zahlen interessiere und versuche, die Hintergründe zu verstehen.

Ich habe mir jetzt mal die Arbeit gemacht und aktuelle Zahlen - Quelle: Johns Hopkins University - für ausgewählte Länder ins Verhältnis zu den Einwohnerzahlen gesetzt.

Warum diese Länder? Nun - DACH ist wohl klar. Schweden, weil dort eben der Sonderweg begangen wird. Israel, da diesem vor einigen Tagen in einer Studie beschieden wurde, bislang weltweit am besten mit der Epidemie umgegangen zu sein und dazu noch die Einwohnerzahl mit A und CH übereinstimmt. Und schließlich B und NL, da von dort sehr hohe Todesfälle berichtet werden.

Hier also meine Auswertung:

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Wie lässt sich das nun interpretieren? Als erstes fällt mir auf, dass - trotz einem Bevölkerungsverhältnis von 10:1 die Corona-Zahlen in D und A absolut identisch sind.

Im Gegensatz dazu liegen die Zahlen in der Schweiz bei den Infektionen doppelt, bei den Todeszahlen sogar drei Mal so hoch. Bei den Infektionszahlen könnte man noch sagen, dass in der Schweiz intensiver getestet wird. Aber wer hilft mir, die hohen Todesfälle zu interpretieren?

Bei den Todeszahlen liegen nun die Schweiz und Schweden in einem ähnlichem Bereich. Dagegen ist die Zahl der Infektionen in Schweden deutlich geringer. Meine Interpretation: deutlich weniger Tests - aber das Virus grasiert mindestens so stark wie in Mitteleuropa. Und die Zahl der Todesfälle ist deutlich höher als in D und A. Dazu könnte noch kommen, dass Schweden in der Epidemie-Dynamik noch hinter Mitteleuropa liegt - d.h. die Zahlen dort in den nächsten Wochen eher noch steigen werden. Ich bin mir also weiter nicht sicher, ob der Sonderweg wirklich der richtige Weg war und ist.

Israel scheint zu bestätigen, dass der Umgang bislang sehr gut war. Die niedrige Zahl der Todesfälle spricht dafür.

Und schließlich die Niederlande und insbesondere Belgien. Woher kommen dort die extrem hohen Todesraten? Ehrlich gesagt weiß ich über die Maßnahmen dort nicht sehr viel. Vielleicht kann ja jemand erläuternd aushelfen...

Zum Vergleich übrigens noch die 3 Länder in Europa, die es bis jetzt am schlimmsten erwischt hat - und das Land, das gerade auf dem Weg in diese Gruppe ist:

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Und zum Vergleich noch die beiden deutschen Bundesländer, die bislang (zusammen mit NRW) am schlimmsten betroffen sind:

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Joe
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Re: SARS-CoV-2/COVID-19

#1378

Beitrag von Joe »

Reiner Zufall, denn ich hatte es vor meinem Post noch nicht gelesen.
Joe hat geschrieben:
Sa 18. Apr 2020, 13:47
Und schließlich die Niederlande und insbesondere Belgien. Woher kommen dort die extrem hohen Todesraten? Ehrlich gesagt weiß ich über die Maßnahmen dort nicht sehr viel. Vielleicht kann ja jemand erläuternd aushelfen...
Aber diese Frage stellt sich gerade auch Der SPIEGEL:
https://www.spiegel.de/politik/ausland/ ... 2eae86f643
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tom
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Re: SARS-CoV-2/COVID-19

#1379

Beitrag von tom »

Joe hat geschrieben:
Sa 18. Apr 2020, 13:47
Aber wer hilft mir, die hohen Todesfälle zu interpretieren?
Wurde gestern hier bei uns im Radio thematisiert. Der Grund sei, dass bei uns quasi alle Verstorbenen als Corona-Tote gelten und in Deutschland und Oesterreich anders gezählt wird. Also wieder so ein typisches Beispiel, dass Zahlen oft sehr unaussagekräftig sind. Das selbe gilt für die Anzahl Infizierte, wobei bei der Schweiz noch dazu kommt dass das Tessin und die Romandie stark darunter litten, dass sie Nachbarn von Epizentren der Ausbrüche waren. Im Gegensatz z.B. zu Deutschland.

Ein Tipp unter Freunden, Jörg: lass Dich nicht durch diese Zahlen verrückt machen und intepretiere nicht so viel rein. Dies bringt schlicht wenig bis nichts.

Gruss Tom
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tom
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Re: SARS-CoV-2/COVID-19

#1380

Beitrag von tom »

Im von @Joe verlinkten Spiegelartikel steht auch so eine Aussage, welche den Zahlenwirrwarr eindrücklich illustriert:
Der Grund: Belgien zählt Sterbefälle in Altenheimen offenbar oft auch zu den Corona-Toten; auch dann, wenn die Todesursache nicht klar ist. 

Von den 289 Toten in Altenheimen, die am Donnerstag gemeldet wurden, konnten nur 91 eindeutig als Corona-Tote klassifiziert werden – und die übrigen gut zwei Drittel nur als mögliche Covid-19-Fälle. Es sei möglich, dass Belgien dadurch seine Todeszahlen überschätze, so Van Gucht.
Nochmals... lasst euch durch Zahlen nicht verrückt machen. Und intepretiert vorallem nicht zu viel in diese rein.

Ich wünschte mir die Medien würden mal 2 Wochen lang nicht über Zahlen berichten dürfen... ein Zahlen-Lockdown. Das wär's!

Gruss Tom
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