Ich bin heute eigentlich nur wütend. Wütend auf das Kindergartentheater, das hier führende Politiker (aka Ministerpräsidenten) gerade aufführen.
Leider wurde aus den (guten) Erfahrungen der 1. Welle und der (negativen) Erfahrungen der 2. Welle wohl nichts gelernt. Wir befinden uns gerade im exponentiellen Anstieg der 3. Welle, die deutlich höher ausfallen wird als die 2. Welle - und die Damen und (hauptsächlich) Herren kämpfen um ihre Förmchen, anstatt sich ernsthaft um ihren Amtseid (Schaden vom xxx Volk abzuwenden) zu kümmern.
Ich gehöre jetzt nicht zu denen, die unsere Kanzlerin andauernd verteidigen. Sie hat vor Corona Gutes gemacht und Fehler gemacht. Sie hat auch in der Corona-Krise gute Entscheidungen getroffen und große Fehler zu verantworten. Aber sie hat meist frühzeitig die Situation erkannt und versucht, in eine Richtung zu steuern - ist aber oft im Kompromissgerangel mit den Ländern mit einer klaren Linie gescheitert. Vielleicht ist es daher ihr größter Fehler, nicht schon früher eine verbindliche Vorgehensweise für alle gewährleistet zu haben.
Wer gestern den Auftritt bei Anne Will gesehen und zwischen den Zeilen zugehört hat, hat gesehen, wie wütend und frustriert sie selbst ist. Und für sie, die emotion nie groß schreibt, war die schon offene Warnung an die MP schon ein Wutausbruch.
Wir müssen handeln. Jetzt. Nicht in zwei Wochen. Jetzt. Schon bei der 2. Welle waren wir eigentlich 2 Wochen zu spät dran. Aber die Herren Ministerpräsidenten wollen Ihre "Modelle" weiterfahren - was die Kurve im besten Fall nicht steiler werden lässt, aber garantiert nicht abflachen wird. Und in drei oder vier Wochen werden sie jammern, dass das ja keiner wissen konnte und sie anders beraten wurden und ja nur das Beste für ihre Wähler wollten.
Das Virus ist aber kein Politiker, mit dem man ein paar Stunden zusammensitzt und am Ende einen faulen Kompromiss aushandelt.
Wir brauchen den Lockdown jetzt. Und zwar einen richtigen Lockdown. So, wie in der ersten Welle. Aus meiner Sicht gibt es gar keine Alternative mehr. Wir haben nur die Wahl zwischen 3 Wochen hartem Lockdown jetzt - mit einigermaßen überschaubaren Opferzahlen. Oder einen harten Lockdown in 3 - 4 Wochen, der dann 6 oder 8 Wochen dauern wird, während die Opferzahlen deutlich steigen. Portugal, Irland und England lassen grüßen.
Wir brauchen den Lockdown. Nicht, weil ich Lockdown toll finde - sondern weil ich endlich raus will aus den Lockdowns. Noch hätten wir die Chance, in drei Wochen wieder bei einer Inzidenz von vielleicht 50 zu sein. Und eine Woche später dann bei vielleicht 35. In drei oder vier Wochen werden wir bei mehreren 100 stehen...
Auch das Argument "man muss Gesundheit gegen andere Dinge wie Wirtschaft oder Bildung abwägen" ist Blödsinn. Denn die Wirtschaft hätte lieber harte 4 Wochen, als monatelanges Dahinsiechen. Viele Branchen, wie die Gatronomie und der Einzelhandel, aber auch Kultur und Bildung haben ja seit Monaten einen harten Lockdown. Also müssen wir dort ran, wo wohl immer noch massive Ansteckungen vorkommen: Industrie und Privatbereich. Wir müssen runter von den Zahlen, während wir mit den (viel zu langsamen) Impfungen die "zweite Front" gegen das Virus eröffnen.
Ich bin nicht der große Freund von politischen Kommentaren bei SPON - aber den hier finde ich sehr gut:
https://www.spiegel.de/wirtschaft/coron ... 646d175b17
Der Kommentator spricht mir aus der Seele...
Jetzt bin ich mütend - gute Nacht!