Es ist keine gute Nachricht, die an diesem Vormittag den Direktor der Primarschule Nummer 1 in Dat Mui im Mekong-Delta erreicht. "Ein Damm ist gebrochen! Eine Flutwelle bedroht das Schulhaus!" Der Anruf des örtlichen Volkskomitees versetzt die 600 Kinder und das Lehrpersonal am südlichsten Zipfel Vietnams in Aufregung. Es geht um Menschenleben. Der Schulleiter, ausgerüstet mit Megafon samt eingebauter Sirene, führt lautstark Regie. Ziel: möglichst schnell ins oberste Stockwerk! Kinder rennen die Treppen hoch, Lehrer tragen Schulbücher und Trinkwasser nach oben, einer bringt "Papa Ho" in Sicherheit, die Gipsbüste des Staatsgründers Ho Chi Min. Zwar ist der Dammbruch nur eine Simulation, die Evakuierung eine Übung und ein Pilotprojekt des Roten Kreuzes - doch die Lage ist ernst.
Ein Großteil der Menschen im Mekong-Delta lebt von der Fischerei und ist deshalb darauf angewiesen, nahe am Wasser zu wohnen. Auch das macht sie anfällig gegenüber Naturkatastrophen. Wie zerstörend diese sein können, zeigten die Taifune von 2000 bis 2002. In der Provinz An Giang wurden damals 600 000 Häuser zerstört sowie die gesamten Reisernten, und es gab viele Tote. In der südlichsten Provinz Vietnams, in Ca Mau, gibt es während der Regenzeit von Oktober bis Januar viele tropische Stürme und sehr viel Niederschlag. Die Fischer können dann oft nicht aufs Meer und verdienen nichts. Ton That Khanh: "Viele Familien leiden deshalb an Hunger."
Neben dem einstigen Zuhause von Nguyen Van Cuong sind im Mekong-Delta weitere Zehntausende Häuser durch Erosion und Überflutung im Wasser versunken. In den letzten 20 Jahren siedelte der Staat mit internationaler Hilfe über eine Million Menschen um.
Auch die Schweiz half mit.
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http://www.fnweb.de/nachrichten/geht-da ... -1.1679385
LG:Dan