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tom
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Re: Kriminalität

#11

Beitrag von tom »

Nichts zu danken. Mich nimmt es jeweils selber wunder was stimmt und so kann ich immer mal wieder etwas lernen :)

Gruss Tom
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Adi
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Re: Kriminalität

#12

Beitrag von Adi »

Marburger hat geschrieben:Was sind die kleinen, aber feinen Unterschiede im "Kreditgeschäft":
Ein TH Gläubiger übergibt dem TH Kredihai seine Landpapiere...den Farang Hai übergibt er der Polizei... ;) Problem gelöst... :D Gezahlt wird (in beiden Fällen), äußerst selten !
Mittlerweile sind es doch über 10 Jahre wo ich in verschiedenen Thai-Farang Foren unterwegs war. Solche und ähnliche Aussagen habe ich in dieser Zeit sehr oft gelesen. Aber wie steht es wirklich mit der Zahlungsmoral von Thais? Ist das wirklich ein kulturelles Problem oder nur dummes Stammtischgeschwätzt von Farangs und pseudo Thailandkenner?

Ich kann das nur aus der Perspektive beurteilen, die ich selber erlebt habe. Seit nun knapp vier Jahren haben wir eine kleine Company in Thailand. Wir hatten in dieser Zeit mit geschätzten 200 verschiedenen Kunden zu tun gehabt. Ja, es gab immer wieder Thais die anstehende Rechnung nicht beglichen haben und immer wieder fadenscheinige Ausreden gebracht haben um nicht zu bezahlen. Meistens waren das Personen die mit den finanziellen Mitteln nicht umgehen konnten und kaum hatten sie Geld wurde es für Luxusgüter oder Sanuk ausgegeben - und hat dann für das Lebensnotwendige nicht mehr gereicht. Und passend zum Threadtitel "Kriminalität" sich auf kleinkriminelle Art wieder Geld beschafft. Mit solchen Personen gibt es nur einen Weg, nämliche den kurzen Prozess. 1. Mahnung und dann Zimmer verschliessen hat immer gewirkt.... Um welchen Teil der Kunden handelt es sich mittlerweile? Ich schätze, dass es sich dabei um ca. 5% handelte.... Der rest unserer thailändischer Kundschaft war äusserst Zuverlässig und unproblematisch. Und entgegen den dummen Sprühen von manchen Foren Farang - alles komplett unabhängig vom sozialen Status und familiären Hintergrund.

Schon seit langem neige ich dazu, dass das nichts mit Thai oder ländlicher Gegend oder Isaan zu tun hat, sondern schlicht und einfach eine reine Charakterfrage ist. Typisch thailandisch? Oder wie ist das bei uns?

Zahlungsmoral und Verschuldung in der Schweiz - dazu gibt es viele Artikel im Netz wie z.B:
http://www.nzz.ch/schweiz/aktuelle-them ... er-ld.9470

Mittlerweile bin ich in der Schweiz seit 15 Jahren in drei komplett verschiedenen Branchen quasi selbständig. Was habe ich da für eine Zahlungsmoral erlebt? Bei vielen kein Problem. Aber es gibt Menschen, die immer wieder Problem haben mit ihren finanziellen Mitteln umzugehen. Einer der Kunden war im höheren Management eines grossens Energiekonzerns im Kanton Bern. Resp. direkt unter dem CIO angesiedelt - mit sehr gutem Einkommen. Nicht mal selbst aufgestellte Abzahlungspläne hat er eingehalten. Da hat nur kurzen Prozess geholfen. Ich habe Schweizer angetroffen, deren Leben auf Kleinkriminalität berut - seit vielen Jahren - und damit keine grösseren juristische Probleme bekommen haben trotz Betreibungen von ca. 1/4 Mio....

Wenn ich jetzt die erlebte Zahlungsmoral zwischen Thais und Schweizer vergleiche komme ich auf eine Ergebnis. Es gibt keinen Unterschied.... Es ist eine Frage des Charakters und der persönlichen Lebensweise - aber nicht der Kultur oder Nationalität.
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ZH-thai-fun
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Re: Kriminalität

#13

Beitrag von ZH-thai-fun »

Ich hab auch schon über meine eigene Erfahrungen als "Pumpstation" in Südthailand geschrieben.

Darum sag ich, absolute richtig analysiert @Adi. Mit mmn einer Korrektur.

Thais haben gegenüber Farang schon eher das Gefühl sie müssen nicht zurück zahlen. Eher als z. B. zwischen zwei Schweizern. Vor allem bei Privater und nicht Geschäftlicher Beziehung wissen Thais sehr gut die "weiche Schale" zu durchbrechen, die ja private Kredit Geber auch haben. Und dies ist auch meist der Fall zwischen Thai und Farang bei Krediten. Daher auch das Gefühl oder der Eindruck von Farangs, Thais seien unzuverlässig beim zurück zahlen.
Zuletzt geändert von ZH-thai-fun am Sa 26. Nov 2016, 21:50, insgesamt 1-mal geändert.
Grenzen sind imaginär. Darum, fließt Wasser, Mammon und Blut.
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Marburger
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Re: Kriminalität

#14

Beitrag von Marburger »

Adi hat geschrieben:
Marburger hat geschrieben: Ein TH Gläubiger übergibt dem TH Kredihai seine Landpapiere...den Farang Hai übergibt er der Polizei... ;) Problem gelöst... :D Gezahlt wird (in beiden Fällen), äußerst selten !
Schon seit langem neige ich dazu, dass das nichts mit Thai oder ländlicher Gegend oder Isaan zu tun hat, sondern schlicht und einfach eine reine Charakterfrage ist. Typisch thailandisch? Oder wie ist das bei uns?
Es ist eine Frage des Charakters und der persönlichen Lebensweise - aber nicht der Kultur oder Nationalität.
Klar zu erkennen war sicherlich der Ironieanteil in meinen 2 Sätzen.. ;) Einen Farang Kredihai incl. Kredit, wird man in TH auf diese Weise bestimmt locker und einfach los...was bestimmt auch nicht für einen besonders guten Charakter spricht, denn der gute Mann hat irgendwann mit einem Kleinkredit aus der Patsche geholfen.
Egal wie es ist...mit gegebenem Kredit verliert man meist in DACH und sonstwo auf dieser Welt viele Freunde.
In meinen Schuldnerkreis (bereits seit langem abgeschrieben), befinden sich Deutsche, Thais und Philippinas,
ergo eine breite Auswahl Charaktäre.
Mietrückständen kann man leicht begegnen...Barmittel einzutreiben ist meist erfolglos.
Aus all diesen (miesen) Erfahrungen, bin ich dazu übergegangen grundsätzlich kein Bargeld mehr ohne Sicherheitzu verleihen. Dies betrifft (leider) auch die eigene Thai-Familie. Vom Schwager erwarte ich seit 5 Jahren die Rückzahlung von 50.000,-- die ihm für sein Auto geliehen wurden. Geschickt wird dieses Thema
umgangen. Dringend benötigt er weitere Mittel für sein zweites Schultaxi...doch er wagt es nicht mich
anzusprechen... :D
Ein ehemaliger deutscher Freund, seit ca. 8 Jahren 3000,-€ Rückstand, verlässt die Kneipe wenn ich
reinkomme...und, und, und...
Es gibt nur wenige Menschen die pflichtbewusst, nicht vergessen, das ihnen geholfen wurde. In Europa und
Asien gleichermaßen.

Gruß Marburger
Zuletzt geändert von Adi am Sa 26. Nov 2016, 23:21, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Zitat korrigiert
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thedi
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Re: Kriminalität

#15

Beitrag von thedi »

Vor 3 Wochen kamen zwei Schwestern (beide über 50) zu uns. Die eine hat 8 rai Land, Wert ca 500'000 Baht, das an unsere Felder angrenzt und das sie eigentlich verkaufen möchte. Vorläufig wollte sie das Land als Sicherheit für einen relativ kleinen Kredit von 70'000 Baht hinterlegen. Die Landbesitzerin ist etwas gehemmt. Sie lächelt nie, spricht kaum. Ihre Schwester (Noi) führte die Verhandlungen für sie. Wir wurden schnell handelseinig, beide Schwestern unterschrieben den Vertrag.

Eine gute Woche später fragt Noi ob sie den Kredit nochmals um 10'000 erhöhen könnten. Sie brauchten Geld für der Reisernte. War OK. Noi holte die 10'000 Baht, unterschrieb eine Ergänzung zum Vertrag und bezahlte davon sogar gleich die ersten Zinsen für die ganzen 80'000, die hier monatlich erhoben werden.

Gestern kam nun der Mann der Landbesitzerin und sagte, dass sie das Land verkaufen wollten. Zinsen zu zahlen mache ja keinen Sinn, wenn sie das Land nachher doch verkaufen. Ob wir Interesse hätten? Ja, haben wir. Während dem Gespräch wurde zufällig erwähnt, dass Noi den Kredit um 10'000 erhöht hätte. Er viel aus allen Wolken. Seine Frau wusste auch von nichts. Nois Vorgehen war clever geplant. Sie bezahlte die ersten Monatszinsen im voraus - und konnte so hoffen, dass es so etwas länger dauert, bis die Sache ruchbar wird.

Man muss das im Kontext sehen: das findet in einem kleinen Dorf statt. Jeder kennt jeden. Es sind Schwestern - keine Kinder, sondern über 50 Jahre alt. Die Familie ist hier das einzige soziale Netz, man ist aufeinander angewiesen.


Ich bin wie Adi der Meinung, dass 95% der Thais ehrlich sind. Plus/Minus der gleiche Prozentsatz wie in der Schweiz. Aber die welche Tricks machen, haben schon ein paar Hemmungen weniger als in DACH üblich wären. Meiner Meinung nach gibt es schon kulturelle Unterschiede.


Mit freundlichen Grüssen

Thedi
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thedi
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Re: Kriminalität

#16

Beitrag von thedi »

Oder die Geschichte mit dem Bier.

Ist schon ein paar Jahre her. Damals war Bier relativ teuer - ein Luxusgut. Eines Tages kam ein Pickup ins Dorf, hielt vor dem Dorfladen an und bot der Ladenbesitzerin Bier zu sehr günstigen Konditionen an - deutlich billiger als im Makro oder sonst wo. Direkt ab Fabrik, wie er sagte. Sie nahm 3 Karton.

Eine Woche später kam er wieder und konnte wieder 3 Karton Bier verkaufen. Auch ein drittes mal lief alles normal.

Beim vierten mal waren die Flaschen nicht mit Bier, sondern mit Wasser gefüllt. Schön verschlossen, so dass man nichts merkt. Und er Pickup wurde natürlich nie mehr gesehen.


Man beachte die kriminelle Energie: er verkauft zuerst Bier mit Verlust. Fährt mit dem Pickup weit herum - er kann sich ja nirgends zwei mal sehen lassen. Hat einen grossen Aufwand um Wasser in Bierflaschen abzufüllen und schön zu verschliessen, inklusive Karton - man sah wirklich nichts. Und das alles für nur wenige Baht.

Solche Geschichten kann man sich in der Schweiz kaum vorstellen. Auf eine Art finde ich die pittoresk. Irgend wie gehört das für mich auch zum Isaan - ein weiterer Grund warum es mir hier nie langweilig wird.


Mit freundlichen Grüssen

Thedi
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thedi
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Re: Kriminalität

#17

Beitrag von thedi »

Man kann es hier aber auch übertreiben: z.B. der Fall Ta Duan

Ta Duan war ein angesehener Mann im Dorf. Er ist verkrüppelt - das Opfer eines Naturheilers der ihm als Kind irgend etwas spritzte, was sein Wachstum negativ beeinflusste. Er wurde trotzdem anerkannt, war Coach der Dorffussballmannschaft, organisierte Feste wie Loy Kratong usw. Schlussendlich wurde er sogar als Phu Yai Baan gewählt. Nur bei den Frauen, da hatte er mit seiner Glatze, seinem Hinkebein und krummen Körper keine Chancen.

Er organisierte im Dorf eine Sparkasse. Man legte jeden Moant einen bestimmten Betrag an. Das Geld wurde dann zu üblichen Wucherzinsen weiter verliehen. Die meisten Kunden waren die Anleger selbst. Wegen den hohen Zinsen legten auch Händler aus Manchakiri Geld bei ihm an. Sogar Geld vom Tempel war bei ihm angelegt. Ein mal im Jahr, im September, mussten alle Kredite zurück gezahlt werden. Dann wurde das Geld gezählt, Ta Duan bekam einen Lohn, sowie auch ein paar seiner Helfer und der restliche Gewinn wurde als Zinsen an die Anleger ausbezahlt.

Das lief ein paar Jahre gut. Dann begannen die Verwaltungsspesen immer mehr vom Gewinn weg zu fressen. Es gab immer mehr lohnberechtigte Gehilfen - alles Verwandte von Ta Duan.

Ta Duan konnte dann privat eigenes Land zu einem sehr hohen Preis verkaufen - 5 Mio Baht. Und prompt interessierte sich eine Frau aus dem Nachbarsdorf für ihn. Sie heirateten mit einem grossen Fest.

Im nächsten Jahr gab Ta Duans Sparkasse keine Kredite mehr. Er hätte kein Geld mehr, sei alles schon vergeben. Im September zahlte auch niemand mehr Geld zurück - und so stellte sich heraus, dass ein Loch von mehreren Millionen Baht blieb. Ta Duan stritt nur alles ab. Er habe das Buchhaltungsbuch nicht mehr, er schulde niemanden etwas. Er wisse von nichts.

Man gab ihm nun unter vier Augen zu verstehen, dass er ein Jahr Zeit habe um das Geld wieder zu beschaffen. Wenn nicht, werde er nicht vor Gericht gezerrt, sondern einen Unfall haben.


Andere Länder - andere Sitten. Dieter Behring oder Martin Schlegel - die das in der Schweiz in einem viel grösserem Umfang betrieben - kommen dort mit einer Gefängnisstrafe davon. Wenn man es hingegen hier im Isaan übertreibt, steht wo möglich das Leben auf dem Spiel.


Mit freundlichen Grüssen

Thedi
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Marburger
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Re: Kriminalität

#18

Beitrag von Marburger »

thedi hat geschrieben: Aber die welche Tricks machen, haben schon ein paar Hemmungen weniger als in DACH üblich wären.
Meiner Meinung nach gibt es schon kulturelle Unterschiede.
Es sollte auch unterschieden werden zwischen Menschen mit krimineller Energie und Zahlungsunfähigen aus aus finanzieller Not. Erste Gruppe ist weltweit in jedem Land zu einem gewissen Anteil vertreten.
Natürlich ist zweite Gruppe in einem armen Land stärker gefährdet ihre Schulden nicht zurückzahlen zu können und damit aus geldbeschaffungsgründen leicht die Grenze einer kriminellen Handlung erreichen.
Genau hier liegt das Risiko (und auch eine Mitschuld) eines "Verleihers", der ohne Sicherheiten Geld an arme Leute auszahlt und mit hohen Zinsen den Ruin dieser Menschen vorantreibt.

N.S.... übrigens wurden meine genannten Schuldner nicht mit Zinsen belegt, ebenso wie ich
keinen Naturalzins für unsere Reisfelder verlange. Alles geschah/geschieht aus Hilfsbereitschaft (schön dumm von mir :ymtongue: ) und sie haben trotzdem nicht zurück gezahlt. Kriminelle Energie unterstelle ich ihnen trotzdem nicht, eher Charakterschwäche.

Gruß Marburger

Kurt
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Re: Kriminalität

#19

Beitrag von Kurt »

@Marburger

Farang hat Geld. :)

Farang hat viel Geld. ;)

Das ist sehr tief verwurzelt bei den Thai. :D

Ich nehme den Thai's das aber nicht uebel.

Im Gegenteil - ich liebe diese Direktheit.

Ich kann ja dann NEIN sagen, wenn ich nicht will.

Ganz einfach. B-)

grunder9
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Re: Kriminalität

#20

Beitrag von grunder9 »

Ich habe einen Freund dessen Thaifrau Geld mit vernüftigen Zinsatz an Landsleute verleiht. Nur gegen Sicherheit (Channot mit Eintragung beim Landamt). Die Rückzahlungswilligkeit der Schuldner ist katastrophal. Oft lassen sie die Schuld verfallen und wundern sich dann, dass ihr Land ihnen nicht mehr gehört.
Meine persönliche Erfahrung und Beobachtungen im Dorf bestätigen dies. Geliehenes Geld wird als Geschenk betrachtet. Selten ist dieses Verhalten aber böser Absicht zuzuschreiben.
Freundliche Grüsse
grunder
Wer kämpft kann verlieren. Wer nicht kämpft hat schon verloren.
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