Gerry29 schrieb:
"Und so reden ein Ire, zwei Thais, zwei Deutsche, ein Schweizer, zwei Australier, ein Engländer, ein Spanier und ein Japaner über Gott und die Welt. Nachdem literweise süffiges Chang-Bier geflossen ist löst sich das Grüppchen langsam auf. Ein Thai aus Chonburi, der Hafenstadt auf halben Weg zwischen Pattaya und Bangkok, ein Engländer und ich bleiben übrig. Ein weiterer Thai gesellt sich hinzu. Er arbeitet als Rezeptionist im 5-Sterne-Hotel Pullman G, und braucht dringend Zerstreuung und Entspannung. Schlechten Tag im Job gehabt, eine Reisegruppe aus Peking sei seit einigen Tagen da. Und dann beginnt er sich auszulassen über die üblen schlimmen Chinesen (ausgenommen HongKong, da legt er großen Wert drauf), die sich so furchtbar benehmen würden. Rotzen dauernd auf den gerade geputzten Marmor-Fußboden und in die Aufzüge, ständig muss er einschreiten und dafür sorgen dass die nichts kaputt machen oder verdrecken. Hach, alle Thais würden es momentan bitter bereuen dass man diese Leute ins Land eingeladen habe, alle Thais wünschten sich die europäischen Farangs so sehr zurück, mit denen hätte es kaum Probleme gegeben. Ich frage nochmal nach, obs nicht ein paar vereinzelte Erfahrungen seien und ich habe zuhause im Ruhrgebiet in Deutschland die Chinesen als sehr höfliche und saubere Menschen erlebt. Da mischt sich der Thai aus Chonburi ein: NEIN, das was sein Landsmann erzählt sei die Wahrheit und er könne für die meisten Thais reden wenn sie mittlerweile die Chinesen nicht mehr im Land haben wollten. Spielen da vielleicht auch andere Dinge eine Rolle, denke ich mir... Chinas Großmacht-Arroganz in der Region, die sich einfach Inseln und Fischereigebiete von Vietnam und den Philippinen nehmen und besetzen, andere Staaten finanziell von sich abhängig machen und damit die nationalbewussten Thais, die selbst stolz über eine große Marine und sogar Flugzeugträger verfügen, herausfordern. Zumal sich Thailand traditionell als Schutzmacht Südostasiens versteht, seit die Könige Chulalongkorn und Mongkut mit dem British Empire arrangierten als Pufferzone zwischen Französisch-Indochina, den Holländern in Indonesien und den Briten in Indien und Malaysia und so ihre Unabhängigkeit bewahrten. Und später an der Seite Amerikas gegen den asiatischen Kommunismus kämpften. Als Gründungsmitglied des ASEAN-Bundes, der als Wirtschaftspakt Wohlstand und Entwicklung in Abgrenzung zum Chinesischen Maoismus fördern sollte... Ich denke, dass man mit Geopolitik niemals alles erklären kann, eher haben tatsächlich viel zu viele Thais schlechte Erfahrung gemacht mit ihren entfernten nördlichen Nachbarn. Und da kommen bei den streng buddhistisch religiös denkenden Menschen wie vielen Thais auch Nachrichten schlecht an, in denen von der Unterdrückung der tibetischen Glaubensbrüder und ihres Oberhaupt-Mönchs Dalai Lama berichtet wird. Alle Gründe für die jüngste Abneigung gegen China hier darzustellen würde dieses Forum wahrscheinlich sprengen. Und ich bin auch nicht der Politik wegen in diesem Land. Generell sollte man sich vor allem jetzt als Europäer mit seinen streng westlichen Meinungen besser zurückhalten. Denn noch immer ist das Land in Trauer, auf Schritt und Tritt kann man den mit schwarzen Schleifen dekorierten Gedenkschreinen für den verstorbenen König begegnen, fast vor jedem Haus. Aber das Leben geht wieder weiter in Thailand."
Ich habe dieses Schreiben übernommen weil Gerry einfach ein brillanter Schreiber ist. Und wir zwei seit Jahren zusammen kommunizieren und eigentlich gleich denken. Dagegen bin ich "ein Chinese" in den Foren...