Ban Nong Waeng, ein Dörfchen bei Roi Et
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Kurt Singer
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Ban Nong Waeng, ein Dörfchen bei Roi Et
Beitrag von Kurt Singer »
Bei der Aufarbeitung meiner familiären Gegebenheiten kommt mir immer wieder das kleine Dörfchen Ban Nong Waeng unter die Augen. Was ist daran Besonderes?
Ich wills verraten: nichts, absolut nichts. Außer, dass es mein Leben seit mehr als 45 Jahren bestimmt hat. Ist es daher verwunderlich, einmal die Geschichte des Dörfchens mit meiner Geschichte zu verbinden und darüber auch zu plaudern? Wie immer kann, aber muss man das ja nicht lesen. Und so werde ich ein wenig schwadronieren, aus den Anfängen, meinen Anfängen, seit ....?
Ich weiß nicht mehr genau, wann ich zum ersten Mal dort eingeschlagen bin. Heute könnte ich das anhand der EXIF-Daten meiner Fotos nachvollziehen, aber Papierfotos haben so etwas nicht. Und auch eventuell vorhandene Herstellungsstempel habe ich beim Einscannen nicht berücksichtigt, weil ich damals nicht wußte, dass ich einmal über das Dörfchen erzählen würde. Vor allem nicht, dass meine Verbindung dorthin eine solche Zeit überdauern würde.
Ich weiß nur noch, dass es für mich ein gewaltiges Unterfangen war. Es ist auch die Geschichte meiner All, die ich vor zwei Monaten zu Grabe tragen musste. Ich weiss genau, dass ich nicht der Einzige bin, der Dorfleben kennt. Und einige im Forum leben seit geraumer Zeit im Dorf. Aber eben nicht in meinem, in unserem Dorf, in dem ich heute noch Wurzeln habe. Ganz aus den Anfängen gibt es keine Fotos. Ich glaube, man wusste damals nicht einmal, was ein Fotoapparat ist. Möglicherweise. Wer mich begleiten möchte, ist herzlich eingeladen. Aber ich lasse mir Zeit.
Aber gerade, als ich beginnen will, kommen mir die Gedanken. Ich bin gerade dabei, mein Leben, zumindest den thailändischen Teil, zu offenbaren. Das kann ich nicht ohne mein Innerstes nach aussen zu stülpen, denn meine Geschichte ist auch die Geschichte meiner All.
Ich wills verraten: nichts, absolut nichts. Außer, dass es mein Leben seit mehr als 45 Jahren bestimmt hat. Ist es daher verwunderlich, einmal die Geschichte des Dörfchens mit meiner Geschichte zu verbinden und darüber auch zu plaudern? Wie immer kann, aber muss man das ja nicht lesen. Und so werde ich ein wenig schwadronieren, aus den Anfängen, meinen Anfängen, seit ....?
Ich weiß nicht mehr genau, wann ich zum ersten Mal dort eingeschlagen bin. Heute könnte ich das anhand der EXIF-Daten meiner Fotos nachvollziehen, aber Papierfotos haben so etwas nicht. Und auch eventuell vorhandene Herstellungsstempel habe ich beim Einscannen nicht berücksichtigt, weil ich damals nicht wußte, dass ich einmal über das Dörfchen erzählen würde. Vor allem nicht, dass meine Verbindung dorthin eine solche Zeit überdauern würde.
Ich weiß nur noch, dass es für mich ein gewaltiges Unterfangen war. Es ist auch die Geschichte meiner All, die ich vor zwei Monaten zu Grabe tragen musste. Ich weiss genau, dass ich nicht der Einzige bin, der Dorfleben kennt. Und einige im Forum leben seit geraumer Zeit im Dorf. Aber eben nicht in meinem, in unserem Dorf, in dem ich heute noch Wurzeln habe. Ganz aus den Anfängen gibt es keine Fotos. Ich glaube, man wusste damals nicht einmal, was ein Fotoapparat ist. Möglicherweise. Wer mich begleiten möchte, ist herzlich eingeladen. Aber ich lasse mir Zeit.
Aber gerade, als ich beginnen will, kommen mir die Gedanken. Ich bin gerade dabei, mein Leben, zumindest den thailändischen Teil, zu offenbaren. Das kann ich nicht ohne mein Innerstes nach aussen zu stülpen, denn meine Geschichte ist auch die Geschichte meiner All.
Zuletzt geändert von Kurt Singer am Mo 16. Sep 2024, 15:48, insgesamt 1-mal geändert.
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ZH-thai-fun
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Re: Ban Nong Waeng, ein Dörfchen bei Roi Et
Beitrag von ZH-thai-fun »
Noch so gerne lese ich mit. Ich hab mich ja auch schon übers Forum gestülpt, oder so!?Kurt Singer hat geschrieben: ↑Mo 16. Sep 2024, 15:36Das kann ich nicht ohne mein Innerstes nach aussen zu stülpen, denn meine Geschichte ist auch die Geschichte meiner All.
Grenzen sind imaginär. Darum, fließt Wasser, Mammon und Blut.
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Kurt Singer
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Re: Ban Nong Waeng, ein Dörfchen bei Roi Et
Beitrag von Kurt Singer »
In der Nähe von Roi Et, selbst eine kleine Provinzstadt im Nordosten Thailands, liegt das Dörfchen Ban Nong Waeng. Benannt ist es nach dem Dorfweiher, dem Nong Waeng, in welchem die Mönche des Dorfes Fische züchten, um den Einheimischen zu ermöglichen, ihre kargen Mahlzeiten mit frischem Fisch aufzubessern. Das Leben ist einfach. Es gibt im Jahre 1954 dort weder Strom noch fliessendes Wasser. Trinkwasser musste aus einem der drei vorhandenen sauberen Brunnen geholt werden, Brauchwasser sammelte man in Tonkrügen. Toiletten gibt es nur in wenigen Häusern, alle anderen müssen einfach in den Garten. Die Häuser waren aus Holz gebaut, auf Stelzen, damit man unter dem Haus noch Platz hat. Entweder für die Wasserbüffel, oder für die Ziegen, oder für die Schweine oder als Lagerplatz. Deswegen waren die Häuser auch oft mit Gerüchen angefüllt, aber die war man halt gewöhnt.
Altersversorgung in unserem bekannten Sinne gab es dort nicht. Dafür hatten die meisten Familien viele Kinder, und die sorgten später für die Alten, denn auch Altenheime gab es nicht. Zumindest nicht für Ban Nong Waeng.
Es geschah am 1. August 1954, als eben in diesem Dörfchen ein Mädchen geboren wurde, 9 Geschwister warteten schon auf sie. Die Mutter war Yom Jantamongkol, der Vater Nu Jantamongkol, und so hiess das Mädchen ebenfalls Jantamongkol und man gab ihr den Vornamen Pour. Der war viel wichtiger als der Familienname, denn in Thailand werden die Vornamen benutzt, um jemanden anzusprechen, und das Telefonbuch ist nach Vornamen geordnet. Und noch ein wichtiger Teil des Namens ist der "tschu len", der Nickname oder wörtlich der Spielname, unter dem die Person später nur noch gerufen wird.
Dieses Kind also wuchs zuhause auf, ging in die Dorfschule und war, wie alle, auch im Schulalter schon eine Hilfe im Haushalt und auf den Feldern. Gerade die Feldarbeit war wichtig, denn es war die Einnahmequelle für ein wenig Geld. Angebaut wurde Reis vor der Regenzeit, nach der Reisernte Tabak. Die Felder mussten gepflegt werden, und das machten die Menschen, keine Maschinen.
Die Arbeit begann bei Sonnenaufgang und endete mit dem Sonnenuntergang, also bei nahezu Tag- und Nachtgleiche morgens um 6 Uhr bis abends 18 Uhr.
Die älteren Geschwister hatten bald eigene Familie und somit eigene Häuser, einige waren ins Nachbardorf gezogen. Die konnte man ja nur nach Sonnenuntergang besuchen und dann nur bei Vollmond, denn ohne Strassenbeleuchtung fand man sonst den Weg nicht.
Wert gelegt wurde also in erster Linie auf die Beschaffung von Nahrung.
All hat mir viel aus dieser Kindheit erzählt. Sie konnte auch Zeit mit den Dorfkindern verbringen, gespielt wurde mit Bällen, man liess abends Drachen steigen, und der Spielort war meist der Hof des Wat.
Überhaupt das Wat. Es gibt es so gut wie in jedem Dorf, ist sowohl religiöser Mittelpunkt als auch Versammlungsort und Schule für mittellose Kinder. Manchmal dient es auch als Schlafplatz für Wanderarbeiter oder Besucher des Dorfes.
Der Abt ist einer der einflussreichen Einwohner neben dem Gam Nan, dem Ortsvorsteher. In Ban Nong Waeng war er auch Erzieher, Ratgeber, Aufseher über den Dorfweiher und die Fischzucht. Er war der erste, der über alles informiert war, denn jeder von ausserhalb suchte zuerst das Wat auf und verkündete dort alle Neuigkeiten. Nicht aus aller Welt, aber aus den Nachbardörfern und der Stadt Roi Et. Weiter kam nur selten jemand,und All war mit sieben Jahren das erste Mal in Roi Et.
Altersversorgung in unserem bekannten Sinne gab es dort nicht. Dafür hatten die meisten Familien viele Kinder, und die sorgten später für die Alten, denn auch Altenheime gab es nicht. Zumindest nicht für Ban Nong Waeng.
Es geschah am 1. August 1954, als eben in diesem Dörfchen ein Mädchen geboren wurde, 9 Geschwister warteten schon auf sie. Die Mutter war Yom Jantamongkol, der Vater Nu Jantamongkol, und so hiess das Mädchen ebenfalls Jantamongkol und man gab ihr den Vornamen Pour. Der war viel wichtiger als der Familienname, denn in Thailand werden die Vornamen benutzt, um jemanden anzusprechen, und das Telefonbuch ist nach Vornamen geordnet. Und noch ein wichtiger Teil des Namens ist der "tschu len", der Nickname oder wörtlich der Spielname, unter dem die Person später nur noch gerufen wird.
Dieses Kind also wuchs zuhause auf, ging in die Dorfschule und war, wie alle, auch im Schulalter schon eine Hilfe im Haushalt und auf den Feldern. Gerade die Feldarbeit war wichtig, denn es war die Einnahmequelle für ein wenig Geld. Angebaut wurde Reis vor der Regenzeit, nach der Reisernte Tabak. Die Felder mussten gepflegt werden, und das machten die Menschen, keine Maschinen.
Die Arbeit begann bei Sonnenaufgang und endete mit dem Sonnenuntergang, also bei nahezu Tag- und Nachtgleiche morgens um 6 Uhr bis abends 18 Uhr.
Die älteren Geschwister hatten bald eigene Familie und somit eigene Häuser, einige waren ins Nachbardorf gezogen. Die konnte man ja nur nach Sonnenuntergang besuchen und dann nur bei Vollmond, denn ohne Strassenbeleuchtung fand man sonst den Weg nicht.
Wert gelegt wurde also in erster Linie auf die Beschaffung von Nahrung.
All hat mir viel aus dieser Kindheit erzählt. Sie konnte auch Zeit mit den Dorfkindern verbringen, gespielt wurde mit Bällen, man liess abends Drachen steigen, und der Spielort war meist der Hof des Wat.
Überhaupt das Wat. Es gibt es so gut wie in jedem Dorf, ist sowohl religiöser Mittelpunkt als auch Versammlungsort und Schule für mittellose Kinder. Manchmal dient es auch als Schlafplatz für Wanderarbeiter oder Besucher des Dorfes.
Der Abt ist einer der einflussreichen Einwohner neben dem Gam Nan, dem Ortsvorsteher. In Ban Nong Waeng war er auch Erzieher, Ratgeber, Aufseher über den Dorfweiher und die Fischzucht. Er war der erste, der über alles informiert war, denn jeder von ausserhalb suchte zuerst das Wat auf und verkündete dort alle Neuigkeiten. Nicht aus aller Welt, aber aus den Nachbardörfern und der Stadt Roi Et. Weiter kam nur selten jemand,und All war mit sieben Jahren das erste Mal in Roi Et.
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dreibartel
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Re: Ban Nong Waeng, ein Dörfchen bei Roi Et
Beitrag von dreibartel »
Ja, schön. Aber wenn schon - denn schon: Ist die Stadt Roi Et doch mindestens unser stolzes Provinz- MetropölchenKurt Singer hat geschrieben: ↑Mo 16. Sep 2024, 16:36In der Nähe von Roi Et, selbst eine kleine Provinzstadt im Nordosten Thailands, liegt das Dörfchen Ban Nong Waeng.
...
Nee: Quer oder längs komplett durchlatschen, möchte ich hier nicht müssen. Meine Berliner U- oder S-Bahn vermisse ich. Sonst nicht viel.
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Kurt Singer
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Re: Ban Nong Waeng, ein Dörfchen bei Roi Et
Beitrag von Kurt Singer »
Ich schreibe hier vom Jahr 1954!!! Da war Roi Et zwar auch schon Provinzhauptstädtchen, aber lag bei 10.000 Einwohnern.dreibartel hat geschrieben: ↑Mo 16. Sep 2024, 18:29Aber wenn schon - denn schon: Ist die Stadt Roi Et doch mindestens unser stolzes Provinz- Metropölchen
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Kurt Singer
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Re: Ban Nong Waeng, ein Dörfchen bei Roi Et
Beitrag von Kurt Singer »
Die nächsten 24 Jahre überspringe ich, denn sie haben weder für Roi Et noch für mich irgend eine Bedeutung bezüglich Ban Nong Waeng.
Oder doch, denn inzwischen hatte das Mädchen aus dem Dorf mich geheiratet. Und nun wollte sie ihrem deutschen Ehemann dieses Nest nahe bringen. Und nun kann ich mich auch erinnern, dass das im Jahr 1982 gewesen sein muss, denn es war unsere erste gemeinsame Thailandreise. Ich hatte keine Ahnung, was da auf mich zukommen würde. Meine Frau – sie heißt All, aber das ist ihr Nickname, ihr richtiger Name, den kaum jemand kennt, ist Pour – kannte sich natürlich bestens aus. Ihr Onkel war der Besitzer eines kleinen Hotels in Bangkok, und von dort starteten wir dann unseren großen Ausflug nach Nordost-Thailand. Das Taxi besorgte natürlich sie am Straßenrand. Nachdem sie sich während der Fahrt einige Minuten mit dem Taxifahrer gestritten hatte, (so dachte ich damals), da waren wir schon 10 Minuten unterwegs, steuerte dieser den von ihr genannten Haltepunkt an.
Dort angekommen, musste ich mich auf unseren Koffer setzen, und sie besorgte die Fahrkarten. Das gelang ihr aber erst, nachdem wir wieder ein Taxi bestiegen und nun zum richtigen Busbahnhof gefahren waren. Ich wusste damals nicht einmal, was ein Busbahnhof war, geschweige denn, von welchem wir hätten abfahren müssen. Aber das hätte sowieso keine Rolle gespielt.
Oh je, eine Thai in Thailand.
Die sechstündige Busfahrt war keineswegs das, was ich als Vergnügungsfahrt hätte betrachten können. Heute gibt es bequeme VIP-Busse für diese Strecke. Damals nicht. Es war ein enger Bus, ohne Komfort, wenn man den eingebauten Eisschrank, der als Klimaanlage diente, als Komfort ansehen will. Der Fahrpreis war spottbillig, und staunenswerterweise erhielten wir unterwegs in einer Raststätte noch ein opulentes landesübliches Mahl. Ein breites Bett wäre mir sicher lieber gewesen, aber noch konnte man mit einem Bett nicht nach Ban Nong Waeng gelangen. Nicht einmal schlafen konnte ich, denn die Musik aus dem Radio dröhnte so laut, dass sich sogar die Thais beschwerten, aber der Busfahrer bestand darauf, per Radio wachgehalten zu werden. Schliesslich war es ja eine Nachtfahrt.
Busse dieser Art fahren auch heute noch auf Thailands Strassen.
Oder doch, denn inzwischen hatte das Mädchen aus dem Dorf mich geheiratet. Und nun wollte sie ihrem deutschen Ehemann dieses Nest nahe bringen. Und nun kann ich mich auch erinnern, dass das im Jahr 1982 gewesen sein muss, denn es war unsere erste gemeinsame Thailandreise. Ich hatte keine Ahnung, was da auf mich zukommen würde. Meine Frau – sie heißt All, aber das ist ihr Nickname, ihr richtiger Name, den kaum jemand kennt, ist Pour – kannte sich natürlich bestens aus. Ihr Onkel war der Besitzer eines kleinen Hotels in Bangkok, und von dort starteten wir dann unseren großen Ausflug nach Nordost-Thailand. Das Taxi besorgte natürlich sie am Straßenrand. Nachdem sie sich während der Fahrt einige Minuten mit dem Taxifahrer gestritten hatte, (so dachte ich damals), da waren wir schon 10 Minuten unterwegs, steuerte dieser den von ihr genannten Haltepunkt an.
Dort angekommen, musste ich mich auf unseren Koffer setzen, und sie besorgte die Fahrkarten. Das gelang ihr aber erst, nachdem wir wieder ein Taxi bestiegen und nun zum richtigen Busbahnhof gefahren waren. Ich wusste damals nicht einmal, was ein Busbahnhof war, geschweige denn, von welchem wir hätten abfahren müssen. Aber das hätte sowieso keine Rolle gespielt.
Oh je, eine Thai in Thailand.
Die sechstündige Busfahrt war keineswegs das, was ich als Vergnügungsfahrt hätte betrachten können. Heute gibt es bequeme VIP-Busse für diese Strecke. Damals nicht. Es war ein enger Bus, ohne Komfort, wenn man den eingebauten Eisschrank, der als Klimaanlage diente, als Komfort ansehen will. Der Fahrpreis war spottbillig, und staunenswerterweise erhielten wir unterwegs in einer Raststätte noch ein opulentes landesübliches Mahl. Ein breites Bett wäre mir sicher lieber gewesen, aber noch konnte man mit einem Bett nicht nach Ban Nong Waeng gelangen. Nicht einmal schlafen konnte ich, denn die Musik aus dem Radio dröhnte so laut, dass sich sogar die Thais beschwerten, aber der Busfahrer bestand darauf, per Radio wachgehalten zu werden. Schliesslich war es ja eine Nachtfahrt.
Busse dieser Art fahren auch heute noch auf Thailands Strassen.
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Kurt Singer
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Re: Ban Nong Waeng, ein Dörfchen bei Roi Et
Beitrag von Kurt Singer »
Nun kamen wir also in Roi Et an, und irgendwie sollte es dann weiter gehen. Heute wäre eine Orientierung dank Smartphone und Google Maps eine Kleinigkeit, aber 1982?
Also, ich war geographisch im Isaan angekommen, aber bei weitem noch nicht existenziell.
Aber noch kümmert sich meine Frau um mich. Sie kannte ja meinen morgendlichen Kaffeedurst, und so bemühte sie sich. Nach einigem Herumfragen hatte sie jemanden gefunden, der mit dem Wort Kaffee etwas anzufangen wußte, und freundlich lächelnde Menschen winkten mir zu, mich zu ihnen zu setzen. Ich hörte irgendwie bruchstückhaft das Wort Gafä heraus, und jemand hatte eine Karaffe mit dampfendem Wasser in der Hand. Ich wurde nun Zeuge einer unglaublichen Kaffeezubereitung, und noch heute staune ich irgendwie bei dem Gedanken. Also, das war so: (und vorher wieder der Hinweis, dass an Fotografieren nicht zu denken war)
in einen kleinen Topf mit Henkel wurde eine süße Milch aus der Dose (sah aus und war auch wie die in Deutschland damals wie heute noch käufliche Milchmädchen-gesüßte-Milch-Dose) etwa zu einem Viertel gefüllt. Darüber kam ein engmaschiges Netz mit braunem Pulver. Es roch eigentlich nicht nach Kaffee, soll es aber gewesen sein. Über dieses Netz wurde dann das dampfende Wasser gaaaanz langsam gegossen. Nachdem die "Tasse" halb voll war, wurde per Hand das Netz ausgewrungen und das Ganze dann per Löffel durchgerührt. Immer noch freundlich lächelnd bot man mir dann die Tasse Kaffee an.
Ich sah mich vorsichtig um, aber ich konnte auf keinem Gesicht so was wie Schadenfreude erkennen, eher eine gespannte Erwartung. Meine Frau sprach nun eines der wenigen deutschen Worte aus, die sie bis dahin gelernt hatte: "Trink, Schatz". Und auch sie guckte erwartungsvoll, und so setzte ich den Topf / die Tasse an die Lippen und nahm ganz vorsichtig einen achtel Schluck. Ich habe in meiner Bundeswehrzeit eine Ausbildung zum Einzelkämpfer mitgemacht, wir mußten Würmer essen und Brennnesseltee trinken und das ohne zu Mucken, zu Murren, zu Würgen oder zu Spucken. Aber es war nichts im Vergleich zu diesem Genuß. Ich habe in meinem Leben auch gelernt, mich zu beherrschen, vor allem, wenn es darum geht, die Gefühle anderer nicht zu verletzen. Was mich letztendlich dazu brachte, Kaffee zu trinken, war das Erlebnis mit dem Sam Lor, und dass ich da schon meine Frau an den Rand des Gesichtsverlustet gebracht hatte. Ich bin heute noch stolz auf mich, wie ich die Ehre meiner Frau verteidigt habe.
Wenn Ihr mal nach Roi Et kommt, in die Nähe des Marktes, dann genießt den Kaffee, der dort heute geboten wird. Er unterscheidet sich heutzutage nicht mehr von dem Kaffee, den Ihr in Straßencafes genießen könnt.
Ihr seid aber damit um das Erlebnis Eures Lebens gekommen: The Roi Et Gafä Original 1982.
Der Pfeil zeigt auf das Genuss-Kaffee.
Ich war auf Gedeih und Verderb meiner lieben All ausgeliefert. Wie lange kannte ich sie schon? Und allerlei Gedanken schwirrten mir durch den Kopf. Wie könntest du notfalls die Deutsche Botschaft in Bangkok erreichen? Gibt es in Thailand noch Sklaverei?Da gabe es den Mobira Senator 1982: Damit fing bei Nokia das "mobile" Telefonieren an. Das Gerät war mit knapp zehn Kilo allerdings nicht besonders handlich.
Also, ich war geographisch im Isaan angekommen, aber bei weitem noch nicht existenziell.
Aber noch kümmert sich meine Frau um mich. Sie kannte ja meinen morgendlichen Kaffeedurst, und so bemühte sie sich. Nach einigem Herumfragen hatte sie jemanden gefunden, der mit dem Wort Kaffee etwas anzufangen wußte, und freundlich lächelnde Menschen winkten mir zu, mich zu ihnen zu setzen. Ich hörte irgendwie bruchstückhaft das Wort Gafä heraus, und jemand hatte eine Karaffe mit dampfendem Wasser in der Hand. Ich wurde nun Zeuge einer unglaublichen Kaffeezubereitung, und noch heute staune ich irgendwie bei dem Gedanken. Also, das war so: (und vorher wieder der Hinweis, dass an Fotografieren nicht zu denken war)
in einen kleinen Topf mit Henkel wurde eine süße Milch aus der Dose (sah aus und war auch wie die in Deutschland damals wie heute noch käufliche Milchmädchen-gesüßte-Milch-Dose) etwa zu einem Viertel gefüllt. Darüber kam ein engmaschiges Netz mit braunem Pulver. Es roch eigentlich nicht nach Kaffee, soll es aber gewesen sein. Über dieses Netz wurde dann das dampfende Wasser gaaaanz langsam gegossen. Nachdem die "Tasse" halb voll war, wurde per Hand das Netz ausgewrungen und das Ganze dann per Löffel durchgerührt. Immer noch freundlich lächelnd bot man mir dann die Tasse Kaffee an.
Ich sah mich vorsichtig um, aber ich konnte auf keinem Gesicht so was wie Schadenfreude erkennen, eher eine gespannte Erwartung. Meine Frau sprach nun eines der wenigen deutschen Worte aus, die sie bis dahin gelernt hatte: "Trink, Schatz". Und auch sie guckte erwartungsvoll, und so setzte ich den Topf / die Tasse an die Lippen und nahm ganz vorsichtig einen achtel Schluck. Ich habe in meiner Bundeswehrzeit eine Ausbildung zum Einzelkämpfer mitgemacht, wir mußten Würmer essen und Brennnesseltee trinken und das ohne zu Mucken, zu Murren, zu Würgen oder zu Spucken. Aber es war nichts im Vergleich zu diesem Genuß. Ich habe in meinem Leben auch gelernt, mich zu beherrschen, vor allem, wenn es darum geht, die Gefühle anderer nicht zu verletzen. Was mich letztendlich dazu brachte, Kaffee zu trinken, war das Erlebnis mit dem Sam Lor, und dass ich da schon meine Frau an den Rand des Gesichtsverlustet gebracht hatte. Ich bin heute noch stolz auf mich, wie ich die Ehre meiner Frau verteidigt habe.
Wenn Ihr mal nach Roi Et kommt, in die Nähe des Marktes, dann genießt den Kaffee, der dort heute geboten wird. Er unterscheidet sich heutzutage nicht mehr von dem Kaffee, den Ihr in Straßencafes genießen könnt.
Ihr seid aber damit um das Erlebnis Eures Lebens gekommen: The Roi Et Gafä Original 1982.
Der Pfeil zeigt auf das Genuss-Kaffee.
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dreibartel
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Re: Ban Nong Waeng, ein Dörfchen bei Roi Et
Beitrag von dreibartel »
Schöne Erinnerungen, die ich gerne mit Dir teile, Kurt!Kurt Singer hat geschrieben: ↑Di 17. Sep 2024, 08:23... Ihr seid aber damit um das Erlebnis Eures Lebens gekommen: The Roi Et Gafä Original 1982.
...
Gehörten doch schon damals - Mitte der 80er und noch bis heute - Zigaretten + Kaffee immer zu meinem Frühstück.
Was Du (weiter oben) als "Kaffee" beschreibst, liest sich so, als hätte man Dir den berühmten "Oliang" gereicht?
https://www.youtube.com/watch?v=i4fCrCcD53Y
Etwas Robusta Kaffee soll ja da drin sein. Aber eben auch Kardamom, Mais, Sojabohnen, Reis und Sesamsamen.
Nichtsdestodennochtrotz hatte ich mir damals - erst noch in Bangkok unterwegs - öfter mal so eine Plastiktüte
"Olian" auf Eis als Kaffee Ersatz gekauft.
Als ich dann (kurze Zeit nach Dir) erstmals in unser Dorf nahe Roi Et reiste, habe ich mir jedoch immer ein paar
vakuumierte "Ziegelsteine" ALDI Gold Kaffee im Koffer dorthin mitgenommen.
Inzwischen habe ich den hier nicht mehr nötig. Ich bekomme unseren 100%igen Arabica-Kaffee
von einer fleißigen OTOP Community aus den Bergen um Phayao frei Haus angeliefert.
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Fredfeuerstein
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- Registriert: Do 19. Mai 2016, 18:58
Re: Ban Nong Waeng, ein Dörfchen bei Roi Et
Beitrag von Fredfeuerstein »
Ich dachte mir früher oft, wie schön es für die Thailänder(innen) in Deutschland wäre, wenn sie sich genau so beschützt und behütet in Deutschland fühlen könnten, wie ich mich in Thailand fühle.Kurt Singer hat geschrieben: ↑Di 17. Sep 2024, 08:23Ich war auf Gedeih und Verderb meiner lieben All ausgeliefert. Wie lange kannte ich sie schon? Und allerlei Gedanken schwirrten mir durch den Kopf. Wie könntest du notfalls die Deutsche Botschaft in Bangkok erreichen? Gibt es in Thailand noch Sklaverei?
Die Mutter einer Freundin (Kautschukbauersfrau südlich von Trang) hat mir einmal gesagt: "pass bitte gut auf sie auf, sie ist bei euch eine Fremde und alles ist ihr völlig fremd".
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Kurt Singer
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Re: Ban Nong Waeng, ein Dörfchen bei Roi Et
Beitrag von Kurt Singer »
@dreibartel
Oliang habe ich später dann auch kennen gelernt, er unterschied sich aber deutlich von meinem Original Roi Et Gafä
. Und Kaffee gehört seitdem immer auch zu meinem Reisegepäck wie bei Dir.
@Fredfeuerstein
Da fühle ich genau mit Dir. Ja, ich bilde mir ein, dass ich meine All nicht nur in Deutschland beschützt und behütet habe, so wie sie mich in Thailand beschützt und behütet hat. Nur vor der Krankheit konnte ich sie nicht beschützen, und das tut mir so unendlich leid.
Oliang habe ich später dann auch kennen gelernt, er unterschied sich aber deutlich von meinem Original Roi Et Gafä
@Fredfeuerstein
Da fühle ich genau mit Dir. Ja, ich bilde mir ein, dass ich meine All nicht nur in Deutschland beschützt und behütet habe, so wie sie mich in Thailand beschützt und behütet hat. Nur vor der Krankheit konnte ich sie nicht beschützen, und das tut mir so unendlich leid.
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