Kambodscha Entweder Strom oder Fisch
Verfasst: Di 14. Jan 2014, 05:51
Die Landbevölkerung in Kambodscha hofft darauf, endlich ans Elektrizitätsnetz angeschlossen zu werden. Doch die geplanten Wasserkraftwerke gefährden in dem südostasiatischen Land die Fischbestände, warnen Umweltschützer. Die Betroffenen werden erst gar nicht richtig informiert.
"Der Damm ist mir mehr wert als die paar Fische", sagt der kambodschanische Bauer Ton Noun über das Vorhaben, am Sesan-Fluss ein Wasserkraftwerk mit einer Leistung von 400 Megawatt zu bauen. In dem Gewässer im Nordosten gebe es nur noch wenig Fisch. Dafür sei dieser im Nachbarstaat Vietnam billig zu haben.

Strom ist in Kambodscha, einem der ärmsten Länder der Welt, extrem teuer. Lediglich 26 Prozent der Bevölkerung kommen in den Genuss einer staatlichen Stromversorgung. Privatanbieter lassen sich ihre Dienste teuer bezahlen, indem sie für die Kilowattstunde 75 US-Cent verlangen. Viele Kambodschaner greifen auf Stromgeneratoren zurück – oder sitzen im Dunkeln.
Ton, der seinen Strom aus einem Generator und einem Akku bezieht, zahlt dafür monatlich 15 US-Dollar. Das ist viel Geld in einem Land, in dem 49 Prozent der Bevölkerung mit höchstens zwei Dollar am Tag auskommen müssen. Diejenigen, die wie Ton auf dem Land leben, wünschen sich nichts mehr, als dass das Staudammprojekt ihrer Not ein Ende bereitet.
Das Risiko, dass die Fischbestände durch den Kraftwerksbetrieb weiter sinken, ist jedoch groß. Mehrere Nichtregierungsorganisationen warnen bereits vor dem endgültigen Verlust des proteinreichen Grundnahrungsmittels. "Doch das wird den Dorfbewohnern nicht gesagt. Stattdessen heißt es immer nur: 'Wir bringen euch Strom'", kritisiert Ame Trandem, Südostasien-Expertin bei der Umweltvereinigung International Rivers.
Ehrgeiziges Stromversorgungsziel
Wie aus dem diesjährigen Regierungsbericht über "Strategien zur ländlichen Elektrifizierung in Kambodscha" hervorgeht, ist die Stromversorgung auf dem Land Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Armutsbekämpfung. Bis 2020 sollen alle Dörfer Zugang zu irgendeiner Stromquelle haben und bis 2030 sollen mindestens 70 Prozent der Haushalte in den Genuss hochwertiger Energie kommen, wie sie etwa von einem Stromnetz garantiert wird.
Der Damm in der Nähe von Tons Haus soll an der Stelle entstehen, an der die Flüsse Sesan und Srepok zusammenfließen – etwa 25 Kilometer stromaufwärts von Stung Treng, der Hauptstadt der gleichnamigen Nachbarprovinz. Später verschmelzen sie mit dem Sekong, mit dem sie das sogenannte 3-S-Flussbecken bilden, und münden dann in den Mekong.
Wasserkraftwerke werden in Kambodscha bereits seit einiger Zeit als Lösung für den landesweiten Stromhunger beworben. Der Rückgang der Fischpopulationen in den Flüssen hat den Wunsch der Menschen nach dem Staudamm nur noch weiter vergrößert. Doch der Fischereiexperte Ian Baird warnt vor einem allzu kurzfristigen Denken. "Es gibt Maßnahmen, die für eine Erholung der Fischbestände sorgen. Sie sind allerdings nicht mehr möglich, wenn die Staudämme stehen."
Baird erinnert in diesem Zusammenhang an ein Verbot des kommerziellen Fischfangs 1976 durch die Roten Khmer, das dem Nachbarland Laos Rekordfänge verschaffte. Doch aufgrund des Verbots war den Kambodschanern der Zugang zu ihrem gewohnten Proteinlieferanten versperrt, was die Hungersnot in den 1970er Jahren weiter verschärfte. Das Terrorregime der Roten Khmer hat den Hungertod von zwei Millionen Menschen verursacht.
Diese geschichtliche Episode zeigt Baird zufolge, wie abhängig das Land von Fisch als Eiweißquelle ist. Da der Anteil mangelernährter Kinder in Kambodscha und Laos 40 Prozent beträgt, hält er es für einen großen Fehler, die Fischbestände noch weiter zu gefährden.
Indigene Bevölkerung nicht informiert
Meach Mean ist der Koordinator des 3S Rivers Protection Network. Wie er berichtet, sind die meisten in dem Wassereinzugsgebiet lebenden Indigenen von jeglichen Informationen abgeschnitten. Die Tampua haben sich niemals einer Schriftsprache bedient. Mean, selbst ein Tampua aus Laos, kennt die negativen Auswirkungen von Staudämmen. 1996 wurde am Sesan in Vietnam in der Nähe der Yali-Wasserfälle ein Kraftwerk in Betrieb genommen. Die Behörden setzten Wassermassen frei, die flussabwärts zu Überschwemmungen führten. Da die dort lebende Bevölkerung nicht informiert worden war, starben zahlreiche Menschen. Vieh ertrank und Ernten wurden vernichtet.
"Seit dem Bau des Damms in Vietnam sind die Fischbestände weiter zurückgegangen", berichtet ein Laote aus dem Dorf Kalan. Dafür macht er den stark schwankenden Wasserpegel verantwortlich. "In der Trockenzeit kann man den Fluss fast zu Fuß überqueren", sagt er.
Laos plant unterdessen den Bau des Don-Sahong-Damms am Mekong, nur zwei Kilometer von der Grenze zu Kambodscha entfernt. Bevor der Mekong das Nachbarland erreicht, bildet er zahlreiche Kanäle, die sich in Wasserfällen ergießen. Laos will die aus einem der Kanäle gewonnene Energie an Kambodscha oder Thailand verkaufen. Der Damm selbst soll jedoch ausgerechnet an der einzigen Stelle entstehen, die die Wanderung der Fische über das ganze Jahr möglich macht. Somit ist die Nahrungssicherheit am Unteren Mekong bedroht.
Nach Angaben von Ame Trandem haben sich kambodschanische Regierungsvertreter kürzlich nach einer Besichtigung der Baustelle in Laos besorgt über die möglichen Umweltfolgen gezeigt und einen Stopp des Projekts gefordert.
"Hinter dem Sesan-Damm steckt die Idee, dass Kambodscha von seinen eigenen Dämmen profitieren sollte", meint Trandem. Vietnam sollte sich an dem Vorhaben als Investor beteiligen und quasi als Wiedergutmachung Strom von Kambodscha kaufen. Doch nachdem es in Kambodscha zu Protesten kam, weil Gegner des Plans eine erneute Vorteilsnahme Vietnams vermuteten, kündigte der kambodschanische Ministerpräsident Hun Sen an, dass die gesamte Energie im Land bleiben werde.

Die Hälfte der Kambodschaner muss von höchstens zwei Dollar pro Tag leben.
Dies sind nur Auszüge den ganzen Artikel gibt es hier....http://www.klimaretter.info/energie/hin ... oder-fisch
"Der Damm ist mir mehr wert als die paar Fische", sagt der kambodschanische Bauer Ton Noun über das Vorhaben, am Sesan-Fluss ein Wasserkraftwerk mit einer Leistung von 400 Megawatt zu bauen. In dem Gewässer im Nordosten gebe es nur noch wenig Fisch. Dafür sei dieser im Nachbarstaat Vietnam billig zu haben.

Strom ist in Kambodscha, einem der ärmsten Länder der Welt, extrem teuer. Lediglich 26 Prozent der Bevölkerung kommen in den Genuss einer staatlichen Stromversorgung. Privatanbieter lassen sich ihre Dienste teuer bezahlen, indem sie für die Kilowattstunde 75 US-Cent verlangen. Viele Kambodschaner greifen auf Stromgeneratoren zurück – oder sitzen im Dunkeln.
Ton, der seinen Strom aus einem Generator und einem Akku bezieht, zahlt dafür monatlich 15 US-Dollar. Das ist viel Geld in einem Land, in dem 49 Prozent der Bevölkerung mit höchstens zwei Dollar am Tag auskommen müssen. Diejenigen, die wie Ton auf dem Land leben, wünschen sich nichts mehr, als dass das Staudammprojekt ihrer Not ein Ende bereitet.
Das Risiko, dass die Fischbestände durch den Kraftwerksbetrieb weiter sinken, ist jedoch groß. Mehrere Nichtregierungsorganisationen warnen bereits vor dem endgültigen Verlust des proteinreichen Grundnahrungsmittels. "Doch das wird den Dorfbewohnern nicht gesagt. Stattdessen heißt es immer nur: 'Wir bringen euch Strom'", kritisiert Ame Trandem, Südostasien-Expertin bei der Umweltvereinigung International Rivers.
Ehrgeiziges Stromversorgungsziel
Wie aus dem diesjährigen Regierungsbericht über "Strategien zur ländlichen Elektrifizierung in Kambodscha" hervorgeht, ist die Stromversorgung auf dem Land Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Armutsbekämpfung. Bis 2020 sollen alle Dörfer Zugang zu irgendeiner Stromquelle haben und bis 2030 sollen mindestens 70 Prozent der Haushalte in den Genuss hochwertiger Energie kommen, wie sie etwa von einem Stromnetz garantiert wird.
Der Damm in der Nähe von Tons Haus soll an der Stelle entstehen, an der die Flüsse Sesan und Srepok zusammenfließen – etwa 25 Kilometer stromaufwärts von Stung Treng, der Hauptstadt der gleichnamigen Nachbarprovinz. Später verschmelzen sie mit dem Sekong, mit dem sie das sogenannte 3-S-Flussbecken bilden, und münden dann in den Mekong.
Wasserkraftwerke werden in Kambodscha bereits seit einiger Zeit als Lösung für den landesweiten Stromhunger beworben. Der Rückgang der Fischpopulationen in den Flüssen hat den Wunsch der Menschen nach dem Staudamm nur noch weiter vergrößert. Doch der Fischereiexperte Ian Baird warnt vor einem allzu kurzfristigen Denken. "Es gibt Maßnahmen, die für eine Erholung der Fischbestände sorgen. Sie sind allerdings nicht mehr möglich, wenn die Staudämme stehen."
Baird erinnert in diesem Zusammenhang an ein Verbot des kommerziellen Fischfangs 1976 durch die Roten Khmer, das dem Nachbarland Laos Rekordfänge verschaffte. Doch aufgrund des Verbots war den Kambodschanern der Zugang zu ihrem gewohnten Proteinlieferanten versperrt, was die Hungersnot in den 1970er Jahren weiter verschärfte. Das Terrorregime der Roten Khmer hat den Hungertod von zwei Millionen Menschen verursacht.
Diese geschichtliche Episode zeigt Baird zufolge, wie abhängig das Land von Fisch als Eiweißquelle ist. Da der Anteil mangelernährter Kinder in Kambodscha und Laos 40 Prozent beträgt, hält er es für einen großen Fehler, die Fischbestände noch weiter zu gefährden.
Indigene Bevölkerung nicht informiert
Meach Mean ist der Koordinator des 3S Rivers Protection Network. Wie er berichtet, sind die meisten in dem Wassereinzugsgebiet lebenden Indigenen von jeglichen Informationen abgeschnitten. Die Tampua haben sich niemals einer Schriftsprache bedient. Mean, selbst ein Tampua aus Laos, kennt die negativen Auswirkungen von Staudämmen. 1996 wurde am Sesan in Vietnam in der Nähe der Yali-Wasserfälle ein Kraftwerk in Betrieb genommen. Die Behörden setzten Wassermassen frei, die flussabwärts zu Überschwemmungen führten. Da die dort lebende Bevölkerung nicht informiert worden war, starben zahlreiche Menschen. Vieh ertrank und Ernten wurden vernichtet.
"Seit dem Bau des Damms in Vietnam sind die Fischbestände weiter zurückgegangen", berichtet ein Laote aus dem Dorf Kalan. Dafür macht er den stark schwankenden Wasserpegel verantwortlich. "In der Trockenzeit kann man den Fluss fast zu Fuß überqueren", sagt er.
Laos plant unterdessen den Bau des Don-Sahong-Damms am Mekong, nur zwei Kilometer von der Grenze zu Kambodscha entfernt. Bevor der Mekong das Nachbarland erreicht, bildet er zahlreiche Kanäle, die sich in Wasserfällen ergießen. Laos will die aus einem der Kanäle gewonnene Energie an Kambodscha oder Thailand verkaufen. Der Damm selbst soll jedoch ausgerechnet an der einzigen Stelle entstehen, die die Wanderung der Fische über das ganze Jahr möglich macht. Somit ist die Nahrungssicherheit am Unteren Mekong bedroht.
Nach Angaben von Ame Trandem haben sich kambodschanische Regierungsvertreter kürzlich nach einer Besichtigung der Baustelle in Laos besorgt über die möglichen Umweltfolgen gezeigt und einen Stopp des Projekts gefordert.
"Hinter dem Sesan-Damm steckt die Idee, dass Kambodscha von seinen eigenen Dämmen profitieren sollte", meint Trandem. Vietnam sollte sich an dem Vorhaben als Investor beteiligen und quasi als Wiedergutmachung Strom von Kambodscha kaufen. Doch nachdem es in Kambodscha zu Protesten kam, weil Gegner des Plans eine erneute Vorteilsnahme Vietnams vermuteten, kündigte der kambodschanische Ministerpräsident Hun Sen an, dass die gesamte Energie im Land bleiben werde.

Die Hälfte der Kambodschaner muss von höchstens zwei Dollar pro Tag leben.
Dies sind nur Auszüge den ganzen Artikel gibt es hier....http://www.klimaretter.info/energie/hin ... oder-fisch