Re: Westliche Lebensmittel in Thailand
Verfasst: Fr 27. Dez 2013, 04:57
Der Schweizer Dessertkönig von Bangkok
Weil er nicht in einem Aargauer Altersheim enden wollte, kam der Berner Oberländer Urs Rohrbach 1996 nach Thailand. Dort beglückt er Einheimische und Heimwehschweizer mit exquisiten süssen Kreationen.
Mitten in Bangkok, am Ufer des Chao-Praya-Flusses, befindet sich ein kleines Stückchen Schweiz: das Café The Lantern, das der Berner Oberländer Bäcker, Konditor und Confiseur Urs Rohrbach zum süssen Nabel der 8,2-Millionen-Stadt gemacht hat. Seit 17 Jahren lebt Rohrbach in Asien, seit der Eröffnung vor acht Jahren arbeitet er für das Hotel Millennium Hilton, dem sein Café angegliedert ist. «Schokolade und knuspriges dunkles Brot sind hier in den vergangenen zehn Jahren stetig beliebter geworden. Die Leute reisen viel, sehen eine Menge und interessieren sich sehr für Dinge, die in Thailand keine so grosse kulinarische Tradition haben wie etwa in der Schweiz», sagt Rohrbach, der ein Team von 18 Personen, darunter 14 Frauen, leitet.
Ein Klassiker im The Lantern ist die exquisite Trinkschokolade. Die Gäste können grosse, innen hohle Ballen aus Felchlin-Schokolade selber in die heisse Milch gleiten lassen und genüsslich zusehen, wie diese zergehen. Mit der Erfahrung in Sachen Schokolade sind in Bangkok auch die Ansprüche gestiegen. Dunkle Sorten mit hohem Kakaoanteil, die in Europa sehr gefragt sind, haben aber noch immer einen schweren Stand. «Die Thais mögen vor allem weisse und Milchschokolade», sagt Urs Rohrbach, der unter anderem Kreationen mit getrockneten Cranberrys oder Erdbeeren im Sortiment hat.
Längst kehren nicht mehr nur Hotelgäste in sein kleines Reich ein. «Am Wochenende kommen vermehrt Locals, vor allem junge Leute, um sich bei uns umzusehen. Aber auch die Älteren sind neugierig und besuchen uns, etwa nach einem Dinner im chinesischen Restaurant des Millennium Hilton.» Auf sie warten neben der heissen Schokolade allerlei Patisserie-Varianten wie etwa die Eclairs mit wunderbar luftiger Vanillefüllung oder das Teppanyaki-Glacé, eine Spezialität des Hauses.
Die Spezialität des Hauses: Teppanyaki-Glacé
Hierfür zerteilt der Chef auf einer gekühlten Platte verschiedene Glacésorten und reichert sie ganz nach den Wünschen der Gäste mit Früchten, Nüssen oder anderen Zutaten an, ehe er sie wieder zu Kugeln zusammenfügt. Ein aussergewöhnlicher Genuss, auch für den Gast aus dem puncto Glacé gesegneten Zürich. Probieren Sie unbedingt die Rohrbachsche Interpretation der Sachertorte aus Maracaibo-Grand-Cru-Glacé, pochierten Aprikosen, Browniekrümeln, Edelweiss-Glacé, frischen Himbeeren und Schlagrahm – das Ganze angerichtet in einem knusprigen Waffelkörbchen.
Kein Wunder nennen die Angestellten des Hotels Urs Rohrbach gern den «süssesten Mann Bangkoks», wohlwissend das dem bodenständigen Schweizer solche Bezeichnungen ein wenig unangenehm sind. Lieber als sich über den grünen Klee loben zu lassen, werkelt er hinter den Kulissen an seinen Süssigkeiten. Die Maccarons, eine Spielart der in der Schweiz überaus beliebten Luxemburgerli aus dem Hause Sprüngli, seien eine grosse Sache in Asien und damit natürlich auch in Thailand, erzählt der ungekrönte Dessertkönig von Bangkok. «Sie sind für die Menschen hier eine Art kulinarisches Statussymbol.»
Auf Grund der im Vergleich zu Europa sehr tiefen Einkommen sind die Süssigkeiten aus importierten Produkten in Thailand natürlich etwas Exklusives. Rohrbach und seine Crew bemühen sich aber, die Preise im Rahmen zu halten und ihre Produkte so einer breiteren Kundschaft zugänglich zu machen. Der liebevoll fabrizierte Cheesecake mit weisser Schokolade und ganzen Himbeeren kostet wie auch das Eclair 100 Baht – umgerechnet 2.70 Franken.
Über Zürich und den Kanton Aargau nach Asien
«Wenn ich asiatische Elemente wie Grüntee oder rote Bohnenpaste in meine Desserts einfliessen lasse, muss ich immer ein wenig vorsichtig sein», erläutert der Chef. «Eine Kreation die ganz und gar thailändisch schmeckt, würden die Leute hier für etwas Billiges halten. Ich versuche trotzdem, einen weltoffenen Stil zu pflegen. Thailand, aber auch Italien, Frankreich, Japan, Indien oder der Nahe Osten inspirieren mich.» Rohrbach selbst isst am liebsten das Brot aus der eigenen Backstube. Dieses ist im Hotel drüben ebenfalls sehr beliebt. Etwa beim italienischen Executive Chef Lorenzo Rossi, der es zum Käse aus dem imposanten begehbaren Cheese Room anbietet.
Dass Urs Rohrbach nach Thailand kam, hat nicht zuletzt mit Pantoffeln zu tun, die er sah, als er Mitte der Neunzigerjahre Brot an ein Altersheim im Aargau auslieferte. «Nach der Lehre in Thun und Jobs bei Jung und Hiestand in Zürich hatte ich meine eigene Bäckerei in Menziken. Den Traum, einmal auszuwandern, hatte ich schon fast abgehakt, doch als ich die Pantoffeln sah, sagte ich mir: ‹Wenn du jetzt nicht gehst, kannst du deine Hausschuhe auch gleich hier deponieren.› Und am 28. Dezember 1996 bin ich dann in Thailand angekommen.» Bereut habe er den Schritt nach Asien nie. «Nur Cervelats und Bratwürste fehlen mir ab und zu.»
The Lantern, 123 Charoennakorn Road, Klongsan, Bangkok. Täglich geöffnet von 7.00 bis 22.00 Uhr.
http://www.derbund.ch/leben/essen-und-t ... y/20602539
Weil er nicht in einem Aargauer Altersheim enden wollte, kam der Berner Oberländer Urs Rohrbach 1996 nach Thailand. Dort beglückt er Einheimische und Heimwehschweizer mit exquisiten süssen Kreationen.
Mitten in Bangkok, am Ufer des Chao-Praya-Flusses, befindet sich ein kleines Stückchen Schweiz: das Café The Lantern, das der Berner Oberländer Bäcker, Konditor und Confiseur Urs Rohrbach zum süssen Nabel der 8,2-Millionen-Stadt gemacht hat. Seit 17 Jahren lebt Rohrbach in Asien, seit der Eröffnung vor acht Jahren arbeitet er für das Hotel Millennium Hilton, dem sein Café angegliedert ist. «Schokolade und knuspriges dunkles Brot sind hier in den vergangenen zehn Jahren stetig beliebter geworden. Die Leute reisen viel, sehen eine Menge und interessieren sich sehr für Dinge, die in Thailand keine so grosse kulinarische Tradition haben wie etwa in der Schweiz», sagt Rohrbach, der ein Team von 18 Personen, darunter 14 Frauen, leitet.
Ein Klassiker im The Lantern ist die exquisite Trinkschokolade. Die Gäste können grosse, innen hohle Ballen aus Felchlin-Schokolade selber in die heisse Milch gleiten lassen und genüsslich zusehen, wie diese zergehen. Mit der Erfahrung in Sachen Schokolade sind in Bangkok auch die Ansprüche gestiegen. Dunkle Sorten mit hohem Kakaoanteil, die in Europa sehr gefragt sind, haben aber noch immer einen schweren Stand. «Die Thais mögen vor allem weisse und Milchschokolade», sagt Urs Rohrbach, der unter anderem Kreationen mit getrockneten Cranberrys oder Erdbeeren im Sortiment hat.
Längst kehren nicht mehr nur Hotelgäste in sein kleines Reich ein. «Am Wochenende kommen vermehrt Locals, vor allem junge Leute, um sich bei uns umzusehen. Aber auch die Älteren sind neugierig und besuchen uns, etwa nach einem Dinner im chinesischen Restaurant des Millennium Hilton.» Auf sie warten neben der heissen Schokolade allerlei Patisserie-Varianten wie etwa die Eclairs mit wunderbar luftiger Vanillefüllung oder das Teppanyaki-Glacé, eine Spezialität des Hauses.
Die Spezialität des Hauses: Teppanyaki-Glacé
Hierfür zerteilt der Chef auf einer gekühlten Platte verschiedene Glacésorten und reichert sie ganz nach den Wünschen der Gäste mit Früchten, Nüssen oder anderen Zutaten an, ehe er sie wieder zu Kugeln zusammenfügt. Ein aussergewöhnlicher Genuss, auch für den Gast aus dem puncto Glacé gesegneten Zürich. Probieren Sie unbedingt die Rohrbachsche Interpretation der Sachertorte aus Maracaibo-Grand-Cru-Glacé, pochierten Aprikosen, Browniekrümeln, Edelweiss-Glacé, frischen Himbeeren und Schlagrahm – das Ganze angerichtet in einem knusprigen Waffelkörbchen.
Kein Wunder nennen die Angestellten des Hotels Urs Rohrbach gern den «süssesten Mann Bangkoks», wohlwissend das dem bodenständigen Schweizer solche Bezeichnungen ein wenig unangenehm sind. Lieber als sich über den grünen Klee loben zu lassen, werkelt er hinter den Kulissen an seinen Süssigkeiten. Die Maccarons, eine Spielart der in der Schweiz überaus beliebten Luxemburgerli aus dem Hause Sprüngli, seien eine grosse Sache in Asien und damit natürlich auch in Thailand, erzählt der ungekrönte Dessertkönig von Bangkok. «Sie sind für die Menschen hier eine Art kulinarisches Statussymbol.»
Auf Grund der im Vergleich zu Europa sehr tiefen Einkommen sind die Süssigkeiten aus importierten Produkten in Thailand natürlich etwas Exklusives. Rohrbach und seine Crew bemühen sich aber, die Preise im Rahmen zu halten und ihre Produkte so einer breiteren Kundschaft zugänglich zu machen. Der liebevoll fabrizierte Cheesecake mit weisser Schokolade und ganzen Himbeeren kostet wie auch das Eclair 100 Baht – umgerechnet 2.70 Franken.
Über Zürich und den Kanton Aargau nach Asien
«Wenn ich asiatische Elemente wie Grüntee oder rote Bohnenpaste in meine Desserts einfliessen lasse, muss ich immer ein wenig vorsichtig sein», erläutert der Chef. «Eine Kreation die ganz und gar thailändisch schmeckt, würden die Leute hier für etwas Billiges halten. Ich versuche trotzdem, einen weltoffenen Stil zu pflegen. Thailand, aber auch Italien, Frankreich, Japan, Indien oder der Nahe Osten inspirieren mich.» Rohrbach selbst isst am liebsten das Brot aus der eigenen Backstube. Dieses ist im Hotel drüben ebenfalls sehr beliebt. Etwa beim italienischen Executive Chef Lorenzo Rossi, der es zum Käse aus dem imposanten begehbaren Cheese Room anbietet.
Dass Urs Rohrbach nach Thailand kam, hat nicht zuletzt mit Pantoffeln zu tun, die er sah, als er Mitte der Neunzigerjahre Brot an ein Altersheim im Aargau auslieferte. «Nach der Lehre in Thun und Jobs bei Jung und Hiestand in Zürich hatte ich meine eigene Bäckerei in Menziken. Den Traum, einmal auszuwandern, hatte ich schon fast abgehakt, doch als ich die Pantoffeln sah, sagte ich mir: ‹Wenn du jetzt nicht gehst, kannst du deine Hausschuhe auch gleich hier deponieren.› Und am 28. Dezember 1996 bin ich dann in Thailand angekommen.» Bereut habe er den Schritt nach Asien nie. «Nur Cervelats und Bratwürste fehlen mir ab und zu.»
The Lantern, 123 Charoennakorn Road, Klongsan, Bangkok. Täglich geöffnet von 7.00 bis 22.00 Uhr.
http://www.derbund.ch/leben/essen-und-t ... y/20602539
