phimax hat geschrieben: ↑Fr 10. Apr 2020, 12:18
Wie schon mal geschrieben, gehöre ich eher zum
Team Drosten.
Deine Beschreibung paßt auch zum
Drosten Podcast.
Ich habe mir jetzt mal einige Beiträge angehört. Sehr interessant. Er geht auch deutlich tiefer in die Themen rein. An manchen Stellen vielleicht auch zu tief für die Hörerschaft.
Schön fand ich, als er mal - zu möglichen Medikamenten befragt - über 5 Minuten über die mögliche Wirkweise eines Wirkstoffs, der die Replikation der Erbinformation der Viren hemmen soll, referierte und dann mit dem Satz "Das war jetzt natürlich sehr vereinfacht - in der Realität ist das schon deutlich komplizierter..." endete
Für wen es interessiert, fasse ich mal meine Erkenntnisse, die ich aus den verschiedenen Podcasts herausgehört habe, zusammen. Ist natürlich auch ein bisschen Interpretation dabei...
Ansteckung:
Es gibt drei Arten der Übertragung:
- Tröpfchen-Infektion,
- aerogene Infektion und
- Schmier- oder Kontakt-Infektion
Die Kontakt-Information ist der Fall, dass ich einen infizierten Gegenstand anfasse. Also: Infizierter fasst Türklinge an, ich fasse die Türklinke an, ich fasse mir dann ins Gesicht (= Schleimhäute).
Die Experten sind sich nicht sicher, ob diese Übertragung in der Praxis überhaupt eine Rolle spielt. Klar - im "Worst Case" natürlich absolut möglich, aber eher unwahrscheinlich. Bis jetzt hat man bei entsprechenden Versuchen immer nur Erbmaterial der Viren festgestellt - aber wohl noch nie lebende Viren anzüchten können. Man geht daher davon aus, dass dieser Übertragungsweg weit unter 10% der Infektionsfälle liegt.
Beste Maßnahme gegen diesen Übertragungsweg: gute Handhygiene.
Aerogene und Tröpfchen-Infektion resultieren aus der gleichen Ursache. Beim Atmen, aber noch mehr beim Sprechen oder gar Husten und Nießen, geben wir Feuchtigkeit in Form von kleinen Tröpfchen ab, die Viren enthalten. Je nach Größe der Tröpfchen - die Grenze liegt wohl bei ca. 5 µm hat man physikalisch unterschiedliche Effekte. Bei unter 5 µm spricht man von Tröpfchenkernen bzw. Aerosolen. In dieser Größe sind die Tröpfchen so klein, dass sie "nicht der Schwerkraft unterliegen", d.h. durch andere Effekte fein in der Luft verteilt sind und so auch längere Zeit bestehen können.
Gegen Aerosole helfen die einfachen (z.B. selbstgemachten) Masken nichts. Dazu ist das Material zu grob und die Maske liegt auch nicht dicht genug an. Hier braucht man die speziellen Masken (FFP2 oder FFP3).
Bis jetzt klingt das ganz schrecklich. Jetzt kommen aber die "Aber" - für das Virus. Je feiner das Aerosol ist, umso besser hält es sich in der Luft - aber umso schneller trocknen auch die kleinen Tröpfchen und sterben damit die Viren. Und bei bewegter, sich austauschender Luft ist es schwer, die notwendige Konzentration zu erreichen.
Fazit: Geschlossene, unbelüftete Räume meiden. Bzw. immer gut lüften oder sich - beim Treffen mit anderen Personen - im Freien aufhalten. Wenn das nicht möglich ist (z.B. Gesundheitspersonal in Räumen mit Infizierten), braucht man die Spezialmasken.
Aber auch bei dieser Übertragungsart gehen die Experten von unter 10 % aus.
Bleibt also die klassische Tröpfcheninfektion. Bei über 5 µm sind die Tröpfchen zu groß, um "in der Luft zu bleiben". Sie sinken also in einer Parabelbahn (klassische Physik...) zu Boden - und tragen dann für eine gewisse Zeit zur Schmierinfektion bei. Beim normalen Sprechen geht man davon aus, dass sich die Tröpfchen maximal 1,5 m vom "Sender" aus entfernen können. Beim Nießen mag es ein bisschen mehr sein.
Dabei kommen nun die Masken ins Spiel. Hier geht es jetzt nicht darum, die Viren zu filtern - sondern nur, die Tröpfchen abzufangen oder zumindest abzubremsen. Bin ich jetzt also infektiös, ist der "kritische Radius" nicht mehr 1,5 m, sondern vielleicht nur noch wenige Zentimeter. Ich reduziere also mit der Maske den Gefahrenbereich und damit die Wahrscheinlichkeit, dass ich jemand anderen anstecke.
Fazit: 2 m Abstand und - wenn nicht möglich - Masken zum Schutz anderer reduziert das Risiko einer Tröpfcheninfektion so weit wie es eben möglich ist.
Später geht es weiter mit dem Krankheitsverlauf...